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Der Bleistiftzünder ist ein geräuschloser Zeitzünder zur Explosion von Plastiksprengstoff. Er wurde in England während des Zweiten Weltkriegs entwickelt und es sollen ca. 12 Millionen davon hergestellt worden sein. Beim Attentat vom 20. Juli 1944 kam ein solcher Sprengzünder zum Einsatz.

Wirkweise

Innerer Aufbau und Funktionsweise des Zünders

Der Zünder erinnert an einen dicken Bleistift, woher vermutlich auch der Name rührt (eng. time pencil, d.h. Zeitbleistift bzw. pencil detonator, d.h. Bleistiftzünder) und besteht aus einem Initialzündkopf aus Stahlblech, Federhülse aus Messing oder Aluminium (abhängig vom Hersteller) und einer Kupferkappe:

  • In der Initialzündkopf befindet sich ein Zündhütchen mit Initialsprengladung. Es läuft in einem gelöcherten Stahlblech aus, um die Sprengkapsel zu fassen.
  • In der Federhülse befindet sich eine, durch einen Haltedraht in Spannung gehaltene Schraubenfeder, an deren Ende sich ein Schlagbolzen befindet.
  • Unter der Kupferkappe befindet sich eine Glasampulle mit Säure (Kupferchlorid), einen Wattebausch und der durchgeführte Haltedraht. Das Ende des Rohres wurde mit einer Schlitz-Schraube, an der der Haltedraht befestigt wurde, abgedichtet.

Funktion

Der Bleistiftzünder ist ein chemischer Zünder, der den chemischen Prozess des Zersetzens eines Metalles mittels einer Säure zur Gewinnung der Vorlaufzeit ausnutzt. Auch die Handhabung ist relativ einfach: Durch Zerdrücken der Kappe wird die Glasampulle zerstört und die Säure läuft in den Wattebausch. Der Austritt der Säuse sollte dann am Überprüfungsloch beobachtet werden. Sollte dieses verstopft sein, so wäre ein anderer Zünder zu wählen. Dann steckt man den Sprengkapsel auf dem Initialzündkopf auf und schiebt den Zünder in die Sprengmasse ein. Erst jetzt zieht man den Sicherungsstreifen oder -bolzen über dem Zündhütchen ab; der Sprengzünder ware dann scharf. Die Säure zersetzt nun über die Zeit den Haltedraht. Wenn dieser reißt, treibt die Spannungswendel den Schlagbolzen auf das Zündhütchen; worauf dieses das Knallquecksilber für die Initialzündung zur Explosion bring. Je nach Stärke des Drahtes und dem Säuregehalt der Flüssigkeit variierten die Vorlaufzeiten. Die Sicherheitsstreifen waren diesbezüglich in verschiedenen Farben gekennzeichnet. Je nach Farbe ergab sich eine andere Vorlaufzeit:

  • Schwarz: 10 Min.,
  • Rot: 30 Min.,
  • Weiß: 2 Std.,
  • Grün: 5½ Std.,
  • Gelb: 12 Std.,
  • Blau: 24 Std.

Die Angaben bezogen sich auf eine Temperatur von 59° Fahrenheit bzw. 15° Celsius. Die Toleranz war entsprechend und soll bei 10 Min +-3 Min, bei 12 Std +- 1 Std betragen. Tatsächlich konnte die Toleranz viel größer werden. Umwelteinflüsse spielte eine nicht unwesentliche Rolle; viele Zünder fielen gänzlich aus. Daher wurden die Zünder immer in Fünfer-Paketen abgepackt, wodurch eine Variationsbreite gegeben war und es ermöglicht wurde, mehrere Zünder zu verwenden. Ausgelegt war der Zeitzünder für eine bestimmte Sprengkapsel, den Detonator No.27 mit einer Länge von 44,4 mm und einem Durchmesser von 6,3 mm. Auch konnte zwischen Sprengkapsel und Bleistiftzünder noch eine Zündschnur verwandt werden.

Vor- und Nachteile

Die Zünder ist lautlos, klein, leicht, stoßunempfindlich, preiswert und einfach. Die Gesamtlänge betrug 127 mm, der Durchmesser 8 mm bei einem Gewicht von 18,5 g. Durch die kompakte Bauweise konnte es allerdings auch passieren, das der Schlagbolzen in der Federhülse verklemmte. Der Zündzeitpunkt kann allerdings nicht präzise, wie bei einer Uhr, bestimmt werden. Die Zündung kann auch nicht angehalten werden. Um die Explosion zu verhindern, muss der Zünder vom Sprengstoff getrennt werden. (siehe Attentat 21. März 1943) Letztlich ist die Zeitspanne, die die Säure für ihre Arbeit benötigte, auch von der Temperatur und dem Gehalt der Säure abhängig. In dem Flugzeug, mit dem Hitler am 13. März 1943 von einer Frontbesichtigung bei Smolensk zurückflog, war - der Sprengsatz war als Cognacflasche getarnt - nur ein Zünder am Flaschenhals eingesteckt. Die Bombe explodierte nicht, weil der Draht, der die Zündung auslösen sollte, von der Säure nicht mehr zerfressen wurde. Das könnte daran liegen, dass die Säure im Zünder zu alt war und bereits ihre ätzende Wirkung eingebüßt hatte, oder die Temperatur im Flugzeug derart niedrig war, das der chemische Prozess nicht anlief. Daher verwandte Staufenberg bei seinem Attentat auch zwei Zünder.[1]

20. Juli 1944

Der Zünder soll sich in der Regel durch Druck von Daumen und Fingerfaust oder mit dem Schuhabsatz oder einer Zange aktivieren lassen. Das Claus Schenk Graf von Stauffenberg dazu eine für ihn gefertigte Zange verwandt hat, dürfte den Umstand seiner Behinderung (es fehlten an der verbliebenen Hand zwei Finger) geschuldet sein. Das Material selbst war von der Royal Air Force in größeren Mengen im Sommer 1940 für Widerstandsgruppen, zwecks Sabotage-Aktionen, mit dem Fallschirm über den Niederlanden, Belgien und Dänemark abgeworfen worden. Dadurch gelangte einiges Material auch in die Hände der Wehrmacht. Nach Untersuchungen vereinnahmte man dieses in speziellen Magazinen. Von dort war er von Admiral Canaris, dem Chef der Abwehr, und dem Oberst i. G. Erwin Lahousen und Philipp Freiherr von Boeselager für die Verschwörer besorgt worden. [2] Als die Zünder schließlich (1943 bzw. 1944) zum Einsatz kamen, waren sie eigentlich überaltert und damit verfallen. Nach dem Anschlag vom 20. Juli fanden Pioniere am Ausgang "Süd" des "Sperrkreises II" der Wolfsschanze das zweite Päckchen: es enthielt: 975 Gramm Plastiksprengstoff, zwei Sprengkapseln und einen englischen Bleistiftzünder für 30 Minuten Verzögerung. Staufenberg dürfte für seinen Anschlag zwei Zünder mit der Vorlaufzeit von 10 – 15 Minuten verwandt haben. [3] Sollte er in dieser Zeit aufgehalten werden, so gab es für ihn keine gefahrlose Möglichkeit die Bombe unter Aufsicht zu entschärfen. Aus all diesen Unsicherheitsfaktoren, liegt es auf der Hand, dass die Sorge der Attentäter vor dem Anschlag mehr der Funktionsweise der Zünder, als der Wirkungsweise des Sprengstoffes, ihr Hauptaugenmerk geschenkt haben dürften.

siehe auch

Einzelnachweise

  1. Bodo Scheurig: Henning von Tresckow. Eine Biographie. Stalling, Oldenburg 1973, S. 138–140.
  2. Berliner Kurier
  3. Der Spiegel 28/1984

Literatur

  • Vladimir Dolinek: Illustriertes Lexikon der Waffen im 1. und 2. Weltkrieg, München 2000, ISBN 3895552232

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