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Ein Facilitator bzw. Unterstützer ist eine Person, die kenntnisreich einer Gruppe hilft, ihre Ziele zu erreichen, ohne sich selbst einer teilnehmenden Partei zuzuordnen. Dabei stehen die Wertschätzung und das Vertrauen der Gruppenmitglieder untereinander im Vordergrund.

Der Facilitator unterstützt die Gruppe in der Erreichung von Konsens in Bezug auf die im Gruppenprozess relevanten Themenbereiche. Damit wird gemeinsam eine tragfähige Basis für zukünftigen Erfolg geschaffen.

Definition des Begriffes

Ursprung und Bedeutung des Wortes: „Ermöglichen“, „Erleichtern“ – jedoch nicht im Sinne von Vereinfachen, sondern von leichter machen. Begriffe wie Lernbegleiter, Moderator etc. treffen noch nicht, was im Kontext Bewusstseinsbildner heißen müsste.

Paulo Freire, lateinamerikanischer Befreiungspädagoge, beschrieb die Pädagogik der Unterdrückten und ist Begründer des Begriffes.

Er wurde auch von Carl R. Rogers in seinem Buch Lernen in Freiheit im Sinne von Förderer des Lernens gebraucht.

Die Rolle des Facilitators

Die Rolle definiert sich durch ein den Prozess begleitendes, helfendes Moderieren der Gruppenarbeit und nicht durch aktives Einbringen von Lösungsmöglichkeiten durch den Facilitator.

Die Grundfähigkeiten eines Facilitators betreffen vorwiegend Gruppenkommunikationspraktiken: Zeiteinteilung, Agendamanagement, Wahl geeigneter Aufzeichnungshilfen, geben aber auch Hinweise auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede, gliedern mit den Teilnehmenden Themenbereiche und schlagen neue Arbeitsmethoden vor.

Die fortführenden Fähigkeiten beziehen mit ein:

  • Beobachtungsgabe für die Gruppe und einzelne Teilnehmer
  • Prozessverständnis
  • die Kunst der Interventionstechnik zur Förderung der Gruppenproduktivität

Ein erfolgreicher Facilitator vereint Respekt Anderen gegenüber und eine aufmerksame und geübte Umgangsweise mit vielschichtigen bis hin zu kritischen Gruppenprozessen.

Ist in einem Gruppenprozess kein Konsens erreichbar, so wird die Gruppe durch Schaffung eines verständnisvollen Rahmens durch einen Klärungsprozess der divergierenden Schlüsselthemen geführt.

Einige der Aspekte, derer sich ein Facilitator in einem Gruppenprozess annimmt:

  • Verbleibende Zeit für das Vorankommen aufzeigen,
  • der Gruppe helfen, auf geeignete Grundregeln zurückzugreifen und auch durchgehend zu beachten,
  • die Gruppe dazu anhalten, den zielführenden Rahmen einzuhalten,
  • Aufsetzen einer „sicheren“ Situation, in der sich alle Beteiligten uneingeschränkt einbringen können,
  • zusammenfassende Angebote von individuellen Äußerungen und wichtigen Teilergebnissen einbringen, um gegenseitiges Verständnis und gleichwertige Berücksichtigung aller Teilnehmer zu unterstützen,
  • Visualisierung von erreichten Vereinbarungen und Ergebnissen,
  • Grundlagenbildung für gemeinsames Verständnis und gemeinschaftlich getragene Formulierungen,
  • Visualisierung der relevanten Themen in gemeinschaftlich getragener Formulierung,
  • Angebot „schwebender“, eventuell nicht direkt ausgesprochener Fragestellungen, um dem Prozess Hilfestellung zu bieten,
  • offenen Rahmen halten, um „Schnellschüsse“ bzw. „einfache Lösungen“ und damit künstliche Einengung auf die Komfortzone oder sogar Ausschluss der eigentlichen Themen zu vermeiden,
  • Raum zur Einbringung für weniger dominante Gruppenteilnehmer schaffen.

Verhaltensweisen, die ein Facilitator vermeidet

  • eine bestimmte Meinung/Stellungnahme unterstützen
  • eigene Meinungen einbringen
  • die Gruppe aus Vorsicht von „heißen“ Themen abhalten
  • Lösungsahnungen als Richtungsgeber aktiv einbringen

Rollenunterschied: Trainer und Facilitator

Oftmals werden die Begriffe Facilitator und Trainer ohne ausreichende Abgrenzung verwendet. Im Gegensatz zu einem Facilitator übernimmt der Trainer eine aktive Rolle und führt die Gruppe durch einen fest vorgegebenen „Lehrplan“, um Wissen zu übermitteln und damit ein vorab definiertes Lernziel zu erreichen. Ein Facilitator achtet die Gruppe als lernendes Subjekt.

Weitere Bedeutungen von Facilitator

Der Begriff Facilitator ist im englischen Sprachraum weit verbreitet und bedeutet dem Grunde nach „sich einbringen, um dem anderen die Aktivität zu erleichtern“.

In der Psychotherapie
Hier ist das Rollenverständnis des Facilitators, die Gruppenteilnehmer bei der Bewusstmachung ihrer Gefühle zueinander zu unterstützen.
Im Ausbildungsbereich
Hier unterstützt der Facilitator neben dem regulären Ausbilder körperlich oder geistig benachteiligte Teilnehmer bei der Erreichung des Lernziels.
Andere
Der Begriff Facilitator wird auch benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich bei illegalen Menschentransporten über internationale Grenzen hinweg betätigen.
Der Begriff Facilitator findet sich auch bei Adoptionsengagements, bei denen eine Person versucht, bedürftige Kinder mit den passenden Adoptiveltern zusammen zu führen.

Siehe auch

Literatur

  • Sandy Schuman (Hrsg.): The IAF Handbook of Group Facilitation. Best Practices from the Leading Organization in Facilitation. Jossey-Bass, San Francisco 2005. ISBN 0-7879-7160-X
  • Roger Schwarz (Hrsg.): The Skilled Facilitator. Jossey-Bass, San Francisco 2002. ISBN 0-7879-4723-7 (New & Revised)
  • Josef W. Seifert: Visualisation - Presentation - Facilitation: Translation of the German Classic Gabal, Offenbach 2012. ISBN 978-3-86936-394-3

Weblinks

Englisch

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