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Gottlob Pflugfelder (* 1915; † 2003)[1] war ein Schweizer Mediziner.

Leben

Pflugfelder promovierte 1942 an der Universität Basel mit einer Arbeit über primär multiple Dünndarmsarkome. Er wirkte als Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie in Chur.[1] 1951 veröffentlichte er Psychologische Untersuchungen über Bewusstseinsveränderungen in der Insulinkur.[2] Bis 1968 war er Direktor der Klinik Waldhaus in Chur.

Pflugfelder übernahm von seinem Vorgänger an der Klinik Waldhaus, Johann Benedikt Jörger, seine Befassung mit den Jenischen. Darin verwendete er zwischen „1950 und 1975 die psychiatrischen Diagnosen ‚Vagantenblut‘ und ‚Vagantentemperament‘“.[3] Somit brachte er es gemäß Thomas Huonker „zustande, nicht nur an das ‚Liber vagatorum‘ aus Jahr 1509, sondern, noch weiter zurückgehend, an die antike Lehre des Claudius Galenus von den Temperamenten anzuknüpfen, sowie an die rassistischen Blutlehren des Faschismus“.[3] Sein Nachfolger an der Klinik Waldhaus, Benedikt Fontana, entwickelte den Forschungsansatz weiter. Dieser bestand u. a. darin, einzelne „Sippen“ zu untersuchen:

„…Für den Arzt und Erbforscher stellen die Sippen Markus, Muhr und Wolzer ein aussergewöhnliches Beobachtungsgut dar … Die Markus und Wolzer sind in ihrer körperlichen und geistigen Erscheinung so unverwechselbar und typisch, dass die Durchschlagskraft des Erbgutes kaum eindrücklicher demonstriert werden könnte. Dazu finden sich gehäuft erblich bedingte Minderwertigkeiten, Schwachsinn, Geisteskrankheiten, aber auch Mikrocephalie und Nystagmus. … In unserem einerseits freiheitlichen, anderseits sozial sehr differenzierten Staatswesen ist eigentlich kein Platz mehr für eine solche soziale Sondergruppe - unsere «Jennischen» leben gerade in dieser Grenzzone menschlicher Existenz, am Rande der Gemeinschaft, auch als Parasiten dieser Gesellschaft… Die nächsten Dezennien werden sicherlich das Vagantentum in der Schweiz und im Bündnerland nicht zum Verschwinden bringen.…“

Gottlob Pflugfelder, 1961[4]

So konstruierte er, wie schon seine Vorgänger, „im Zeichen der Rassenhygiene eine hereditäre Entartung der fahrenden Familien, was die Wegnahme ihrer Kinder und die Einweisung in Anstalten legitimierte.“[5]

Schriften (Auswahl)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 http://www.saez.ch/docs/saez/archiv/de/2003/2003-19/2003-19-pers.pdf
  2. OCLC 5651752
  3. 3,0 3,1 Thomas Huonker: Bemerkungen zu Identität und Differenz, Wahnsinn und Methode, Herrschaft und Diskurs. Referat an der Tagung des Nationalen Forschungsprogramms 51 vom 22. Februar 2005 in Murten im Rahmen des Workshops „Stigma, Identität, Differenz“. Abgerufen am 29. September 2013.
  4. Gottlob Pflugfelder: Das Vagantenwesen. In: Terra Grischuna. Nr. 1, 1961, S. 29–30. Internet-Bearbeitung: Kaspar Joos, 2009.
  5. Beatrix Mesmer: Kessler und Korber: Eine Ausstellung zeigt, wie Fahrende im Kanton Graubünden schikaniert wurden. In: NZZ am Sonntag, 28. Dezember 2008, S. 22.

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