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Die Handtaschen-Weitwurf Weltmeisterschaft (HTWWWM) ist die offizielle Weltmeisterschaft im Handtaschen-Weitwurf. Sie wurde erstmals am 11. August 2012 im Movie Park Germany in Bottrop-Kirchhellen ausgetragen [1] und findet seitdem jährlich statt. Es gilt, für den WM-Titelgewinn seines Heimat- oder Lieblingslandes eine Handtasche möglichst weit zu werfen. Die Weltmeisterschaft wird von privat organisierten Wurffreunden und dem Movie Park Germany organisiert. Das eigens in den Niederlanden angefertigte und aus Kupfer bestehende „Goldene Täschchen“ wird als Wandertrophäe vergeben.

Entstehung

Als Ursprung der HTWWWM gilt ein versuchter Raubdiebstahl in einem Kölner Café, der von zwei der späteren Organisatoren beobachtet wurde. Dem Dieb gelang es nicht, dem weiblichen Opfer deren offene Handtasche zu entreißen. Sie nahm den Verlust der Geldbörse und weiterer Wertgegenstände in Kauf, verteidigte jedoch ihre Handtasche, mit der sie viele Erinnerungen und Erlebnisse verband.

Die HTWWWM steht nach Angabe der Organisatoren für grenzenlose Wurffreiheit und Völkerverständigung. Sie verbindet Völker und Nationen. So sollen unter den „Taschen aus aller Welt“ „Menschen aller Welt“ ein Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit setzen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder politischer Weltanschauung.

Inszenierung

Das WM-Team eines Teilnehmer-Landes besteht aus vier Personen. Die Hobby-Athleten werfen auf eigene Gefahr. Handtaschen werden leihweise bereit gestellt, vor Ort gewogen und seit dem Jahr 2013 [2] vor dem Wurf durch einen Anti-Doping-Beauftragten [3] verplombt. Die Bewerbung ist kostenlos möglich. Fahnenträger, Cheerleader und Fanclubs schmücken den Einlauf der teils ländertypisch bekleideten Nationalmannschaften. Die Länder-Begegnungen werden zu Beginn des Wettbewerbs ausgelost.

Bewertung

Die Vorrunde wird im Gruppenmodus durchgeführt. In vier Qualifikationsgruppen treten die Gruppenteilnehmer im direkten Vergleich gegeneinander an. Der Sieger jedes Duells erhält zwei Punkte, der Verlierer null Punkte. Jeder Teilnehmer hat in der Vorrunde nur einen Versuch je Begegnung. In der Tabelle zählt bei gleicher Wurfweite mehrerer Länder der direkte Vergleich. Sollte die Wurfweite gleich sein, zählen die mehr geworfenen Meter. Bei Weitengleichheit zählt das Urteil der Jury zur Ausführung.

Von den teilnehmenden Nationalmannschaften erreichen acht WM-Teams das Viertelfinale, das sich aus den vier Gruppensiegern und den vier Gruppenzweiten zusammensetzt. Ab dem Viertelfinale geht es im K.O.-System weiter, bis im Finale der besten beiden Teams der Sieger ermittelt wird. Ab dem Viertelfinale erhält jeder Teilnehmer zwei Versuche. Der Weiteste der beiden Würfe kommt dann in die Wertung.

Die Jury beurteilt neben der Weite nach technischer Ausführung und Choreographie. Die Kombination aus Wurfweite, technischer Ausführung und Choreographie (Ausstrahlung der Gruppe in Mimik und Gestik, Zustand der Handtaschen, Requisiten, Schminktechnik und Schuhwerk) ergibt im Punktesystem das Gesamtergebnis.

Berücksichtigt wird dabei auch die individuelle Körperbeherrschung (Schritttechnik, Sprungvermögen, Drehvermögen, Balance, Körperspannung und Kondition) und Kreativität (Vielfältigkeit und Ideenreichtum, eigenen Ideen und originelle Schritte). Teilnehmer

Berufsgruppen

Die angemeldeten Hobby-Werfer waren in der Vergangenheit unter anderem:

Administrator, Architekt, Bankkauffrau, Bauchzeichner, Berufskraftfahrer, Crew Trainerin, Diplom-Informatiker, Diplom-Wirtschaftsjurist, Erzieherin, Fachangestellte für Arbeitsförderung, Fremdsprachenkorrespondentin, Gas-Wasser-Installateur, Groß- und Außenhandelskauffrau, Fahrlehrer, Gärtnerin, Ingenieurin für Druck- und Medientechnologie, Ingenieur für Elektrotechnik, Justizbeamter, Kauffrau für Bürokommunikation, Krankenschwester, Mechatroniker, Mediengestalter, Musiker, Referendarin, Software-Entwickler, Stadtoberinspektorin, Techniker für Luft- und Raumfahrt, Verkäuferin, Versicherungskaufmann, Verwaltungsfachwirt

Techniken

Als Wurfmöglichkeiten stehen den vierköpfigen WM-Teams zur Auswahl:

  • Stoßen: Der Werfer steht mit beiden Beinen parallel frontal zur Wurfrichtung und hält die Handtasche seitlich an den beiden Henkeln. Die Wurfbewegung erfolgt mit Ausholen nach hinten zwischen die Beine mit anschließendem ruckartigen Aufrichten und Körperstreckung beim Abwurf beidhändig nach vorne.
  • Kurbelwurf: in Schrittstellung wird der vordere Fuß kräftig in den Boden gestemmt, mit dem gegenüberliegenden hinteren Arm dann mit kräftigem Kurbeln Schwung geholt und mit Körperstreckung beim Abwurf die Handtasche kräftig nach vorne geschleudert.
  • Freestyle: Bei dieser Technik ist alles erlaubt – solange die Handtasche im Sektor landet, keine Drehungen eingebaut werden und nicht über die Abwurflinie getreten wird.
  • Diskuswurf: Beim Probedurchgang die weiteste Technik – allerdings schwer zu beherrschen und häufig außerhalb des Sektors und damit ungültig. Die Ausgangsstellung erfolgt wie bei einem Diskuswurf aus dem Stand in Wurfauslage, d.h. seitlich zur Wurfrichtung, die Handtasche an den Henkeln gepackt in Verlängerung des gestreckten Wurfarms. Nach Ausholbewegung entgegen der Rotationsrichtung wird die Handtasche durch schnellkräftige Rotation der Hüfte in Wurfrichtung beschleunigt und mit kräftigem Aufstemmen des vorderen Fußes beim Abwurf ähnlich eines Diskus seitlich herausgeschleudert.

Die Schwierigkeit bei den Würfen besteht darin, die Flugkurve der Handtasche richtig einzuschätzen. Da sie nicht so aerodynamisch ist wie klassische Wurfgeräte, kann auch der Wind eine gehörige Rolle spielen, so dass nur mit dem richtigen Einstellwinkel zum Wind und ausreichend Stabilität beim Abwurf die Spitzenweiten zu erzielen sind. Die meisten Meter lassen sich mit guter Beschleunigung der Tasche und schnellem Aufrichten der Hüfte erzielen.

Gültigkeit des Wurfs

Der Abwurf und die gesamte Wurfbewegung müssen innerhalb der eingezeichneten Abwurfzone erfolgen. Ein Anlauf darüber hinaus ist nicht erlaubt. Die Wurfweite wird an der Stelle gemessen, wo die Handtasche das erste Mal den Boden berührt. Die erste Bodenberührung muss innerhalb des eingezeichneten Wurfsektors erfolgen. Landet die Handtasche beim ersten Aufkommen außerhalb des Sektors, ist dieser Wurf ungültig zu werten.

Ein ungültiger Wurf kann nicht wiederholt werden; in die Wertung gehen dann null Weitenmeter ein. Berührt die Handtasche eine eventuell aufgestellte Bande oder Absperrung und landet dann innerhalb des Sektors, so ist der Wurf als gültig zu werten und wird entsprechend an der Stelle des Aufkommens gemessen.

Drehungen des Werfers um die Körperachse zum Beschleunigen, wie beim Diskus- oder Hammerwurf, sind nicht erlaubt. Solche Würfe sind als ungültig zu werten. Ein gerader Anlauf ist innerhalb der markierten Abwurfzone dagegen erlaubt. Solange die Handtasche noch in der Luft ist, muss der Werfer hinter der Abwurflinie bleiben. Sobald er beim Wurf mit irgendeinem Körperteil jenseits der Abwurflinie den Boden berührt oder auf die Abwurflinie kommt, ist der Wurf als ungültig zu werten.

Trainingscamps

Im Vorfeld der HTWWWM 2013 fanden erstmals drei Trainingscamps für interessierte und bereits angemeldete Werfer auf Djerba sowie in Berlin und Köln statt.

Statistik

HTWWWM 2012

Die 1. HTWWWM fand am 11. August 2012 in Bottrop-Kirchhellen statt und wurde von Comedian Gisbert Fleumes moderiert. Jury-Präsidentin Irmgard Knüppel und Bundestrainer Jens Vatter führten Interviews mit den Beteiligten.

Teilnehmende Nationen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen, Russische Föderation, Schweiz, Spanien, Türkei, Vereinigte Staaten von Amerika

HTWWWM 2013

Die 2. HTWWWM fand am 17. August 2013 in Bottrop-Kirchhellen statt und wurde von Comedian Heinz Schmittmeier moderiert. Jury-Präsidentin Irmgard Knüppel [4], Jury-Mitglied Natascha Ochsenknecht und Bundestrainer Jens Vatter [5] führten Interviews mit den Beteiligten.

Teilnehmende Nationen: Curaçao, Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Monaco, Neuseeland, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Vatikanstaat, Vereinigte Staaten von Amerika

Sieger

2013: Neuseeland mit einer erzielten Gesamt-Wurfweite von 77,34 Meter im Finale vor Vatikanstaat (75,76 Meter)
2012: Deutschland mit einer erzielten Gesamt-Wurfweite von 76,46 Meter im Finale vor Großbritannien (64,79 Meter)

Weltrekorde

2013: Stefan Krämer [6] für das Team Vatikanstaat mit einer erzielten Wurfweite von 24,21 Meter
2012: Joachim Mans [7] für das Team Deutschland mit einer erzielten Wurfweite von 22,66 Meter

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hamburger Abendblatt: Erste WM im Handtaschen-Weitwurf. In: Hamburger Abendblatt, 11. August 2012.
  2. Tagesspiegel: WM im Handtaschen-Weitwurf 2013. In: Tagesspiegel, 18. August 2013.
  3. Braunschweiger Zeitung: Der Anti-Doping-Beauftragte 2013. In: Braunschweiger Zeitung, 17. August 2013.
  4. WAZ: Ankündigung der HTWWWM 2013. In: Funke Mediengruppe, 12. August 2013.
  5. Spiegel: Interview mit Bundestrainer Jens Vatter. In: Spiegel Online, 17. August 2013.
  6. EXPRESS: Stefan Krämer gewinnt Handtaschen-Weitwurf-WM. In: Express (Zeitung), 18. August 2013.
  7. FOCUS: Lkw-Fahrer gewinnt Handtaschenweitwurf-WM. In: Focus, 12. August 2012.

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