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Der Hinduismus ist mit etwa 900 Millionen Anhängern (etwa 13,26 % der Weltbevölkerung) nach dem Christentum und dem Islam die drittgrößte Religion der Erde. Seinen Ursprung hat er in Indien.[1] Anhänger dieser Weltanschauung werden Hindus genannt. Genau genommen besteht der Hinduismus aus verschiedenen Religionen, die sich teilweise überlagern und gegenseitig beeinflussen, in heiligen Schriften, Glaubenslehren, der Götterwelt und Ritualen aber Unterschiede aufweisen.[2] Der Hinduismus kennt monotheistische, dualistische und polytheistische Richtungen, Gottheiten erscheinen als persönliche oder unpersönliche Wesen, der Priesterstand kann sowohl dem Brahmanentum als auch niedrigeren Kasten angehören, teilweise besteht er auch aus sog. Unberührbaren. Der Begriff Hinduismus repräsentiert einen Komplex religiöser Traditionen und sozialer Phänomene, die teilweise sehr unterschiedliche sozio-ökonomische, historische und geographische Bedingungen haben. Es liegt ein gemeinsamer Fundus von Traditionen vor, jedoch gibt es häufig keine klaren Abgrenzungen und die verschiedenen Strömungen widersprechen oftmals einander. Ein in sich geschlossenes System als eine konkrete historische Religion liegt nicht vor.[3]

Die Bezeichnung Hinduismus ist erst relativ spät entstanden. Anfangs war sie eine von außen herangetragene Sammelbezeichnung für die Anhänger verschiedener religiöser Richtungen auf dem indischen Subkontinent, die nicht Muslime, Christen, Juden, Buddhisten oder Jainas waren. Der Begriff entwickelte bald eine beträchtliche Eigendynamik und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Englischsprachigen zur Eigenbezeichnung. Mit der Entwicklung der Hindutva zeigte er sogar Ansätze einer Ideologisierung. Die indische Verfassung definiert abweichend vom hier Gesagten den Hinduismus allerdings so, dass er auch Jainismus, Buddhismus und Sikhismus umfasst.

Indologen und Religionswissenschaftler, die nicht von einer einheitlichen Religion, sondern von verwandten Religionen sprechen, benutzen häufig auch den Begriff Hindu-Traditionen oder Hindu-Religionen anstatt Hinduismus. Jedoch verfügen diese weder über ein gemeinsames Glaubensbekenntnis noch über eine zentrale Institution, die Autorität für alle Hindus hätte. Die Lehren über spirituelle Belange und sogar die Gottesvorstellungen sind in den einzelnen Strömungen sehr verschieden, auch die Ansichten über Leben, Tod und Erlösung (Moksha) stimmen nicht überein. Die meisten Gläubigen gehen jedoch davon aus, dass Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Kreislauf (Samsara) sind, und glauben an eine Reinkarnation. Für den persönlichen Glauben haben religiöse Lehrer (Gurus) oft einen großen Stellenwert. Nur einzelne Richtungen gehen auf einen bestimmten Gründer zurück. Trotz aller Unterschiede können Hindus der verschiedenen Richtungen weitgehend gemeinsam feiern und beten, auch wenn ihre Theologie und Philosophie nicht übereinstimmt. „Einheit in der Vielfalt“ ist eine oft verwendete Redewendung im heutigen Hinduismus.

Einzelnachweise

  1. CIA Factbook: Abschnitt über Hinduismus
  2. Axel Michaels: Der Hinduismus. Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, München, S. 33.
  3. Christoph Auffahrt (Hrsg.): Metzler Lexikon Religion. Bd. II. Stuttgart 1999. S.50

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