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Hitlers Rede vor den Oberbefehlshabern am 14. Juni 1941 war eine Ansprache Hitlers vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht und der für das Unternehmen Barbarossa vorgesehenen Heeresgruppen und Armeen. Er gab seine Anweisungen für den Angriff und das Vorgehen der Wehrmacht[1] und abschließende Befehle wurden erteilt.[2]

Ort

Das Treffen fand in der Reichskanzlei statt. Zur Tarnung wurde die Ankunft der zahlreichen Offiziere auf verschiedene Eingänge verteilt und zeitlich gestaffelt.[3] Am Vormittag fanden Vorträge der einzelnen Armeeführer vor Hitler statt. Nach einem Mittagessen im Speisesaal seiner Wohnung hielt Hitler seine etwa einstündige Ansprache.

Teilnehmer

Bei der Rede Hitlers waren folgende Teilnehmer anwesend:[4]

Heer

Kriegsmarine

Luftwaffe

OKW

Adjutantur der Wehrmacht

Inhalt der Rede

Bereits am 30. März 1941 hatte Hitler eine Rede vor den Oberbefehlshabern gehalten, da der Angriff auf die Sowjetunion ursprünglich im Mai 1941 beginnen sollte, aber durch den Balkanfeldzug verzögert wurde. Überraschende Lageänderungen erzwangen Umplanungen mit entsprechender Notwendigkeit, Pläne geheimzuhalten.[5] Wie sonst allgemein bei Hitlers Reden vor den Militärs üblich, existiert keine Aufzeichnung der Rede. Es gibt aber einige Erinnerungen und Tagebucheinträge beispielsweise von Franz Halder[6], Fedor von Bock[7], Heinz Guderian[8], Albert Kesselring[9] sowie Hitlers Adjutant Nicolaus von Below.[10] Adolf Heusinger schrieb nach dem Krieg aus der Erinnerung eine längere Darstellung der Rede.[11]

Hitler verbreitete noch einmal seine bekannten Überlegungen und Pläne, so soll er behauptet haben, dass ein Feldzug gegen die Sowjetunion die Ernährungs- und Rohstoffversorgung Deutschlands sichern und England zum Friedensschluss veranlasst werde, und so der Krieg gewonnen werden könne. Denn England werde einsehen, dass die Hilfe der USA zu spät komme, um etwas gegen die deutsche Machtstellung auf dem Kontinent und den Erfolgen der deutschen U-Boote und Luftwaffe gegen die englische Zufuhr, etwas ausrichten zu können.[12] Ian Kershaw, der sich auf die Erinnerungen von Below stützt, betont, dass Hitler den Krieg als „Kampf gegen den Bolschewismus“ hervorhob. Russland werde hart kämpfen und es seien starke Luftangriffe zu erwarten, der schlimmste Teil wird aber nach 6 Wochen vorüber sein. Jeder Soldat müsse wissen, dass er für die Vernichtung des Bolschewismus kämpfe. Würde der Krieg verloren werde Europa bolschewisiert.[13] Nach Bocks Worten äußerte Hitler den Gedanken:

„Ob und welche Gebiete Deutschland nach errungenem Siege übernehmen wolle, werde überlegt; klar sei, daß der russische Einfluß aus der Ostsee verdrängt werden und Deutschland sich bestimmenden Einfluß im Schwarzen Meer sichern müsse, denn dort lägen jetzt wesentliche Interessen für uns, wie z. B. das Öl.“[14]

Otto Hoffmann von Waldau notierte dazu in seinem Tagebuch: „Hauptgegner bleibt England“[15]. Der Chef der Operationsabteilung der Seekriegsleitung notierte am 18. August 1943, dass Hitler „überzeugend über die Gründe, warum Deutschland die Ostoffensive vorbeugend und offensiv führen“ müsse, sprach.[16]

Wilhelm Keitel sagte bei den Nürnberger Prozessen aus, Hitler habe in der Rede gefordert die Schranken der Kriegführung über Bord zu werfen und sich zur Grausamkeit zu entschließen, es seien dies „ vollkommen neue und außerordentlich eindrucksvolle, aber auch außerordentlich uns berührende Gedanken“ gewesen.[17]

Rezeption in der Forschung

Nach Ansicht des Historikers Jürgen Förster wurde die „Legende vom deutschen Präventivkrieg gegen die Sowjetunion“ an diesem 14. Juni 1941 bei seiner „grundlegenden politischen Rede“ vor den Oberbefehlshabern von Heer, Marine und Luftwaffe „geboren“.[18] Dem Historiker Johannes Hürter zufolge wiederholte Hitler hier im Wesentlichen nur, was er schon in seiner Rede vor den Befehlshabern am 30. März 1941 gesagt habe: „Diese Ansprache bestätigte nur das, was die Oberbefehlshaber ohnehin bereits wussten“. Gleichwohl hätten seine Ausführungen der politischen Unterweisung der militärischen Führung gedient. Die Rede sei „ein weiterer Baustein der geistigen Vorbereitung in einen in seinen Zielen und Feindbildern maßlosen Krieg“ gewesen.[19] Für Jürgen Kilian markiert die fehlende Reaktion der Militärs auf diese Rede den „letzten entscheidenden Schritt in der Genese der Wehrmacht zu einem gefügigen Instrument Hitlers“, hier vollzog sich nach Kilian der „ideologische Schulterschluss“ zwischen namhaften Teilen der Generalität und ihrem „Führer“.[20]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Müller, Überschär: Hitlers war in the east, Berghahn books NY, 2002, Seite 104, Zitat: on 14 June 1941 in the chancellery in Berlin Hitler had presented the gathered Wehrmacht commanders with the operational goal fort he attack on the SU…
  2. United states office: Nazi conspiracy and War Crimes, Band 4, US government printing 1946, Seite 807, Zitat: On 9. June 1941 the order of the Fuehrer went out for final reports on Barbarossa to be made in Berlin on 14 June 1941, 8 days before D-Day…
  3. Ein Dokument über die Regelung der Ankunftszeiten und Benutzung der Eingänge befindet sich als Dokument C-78 in: Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg (Hrsg.): Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof (14. November 1945 bis 1. Oktober 1946). Nürnberg 1947, Band 34, S. 308–312.
  4. Walter Warlimont: Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939 bis 1945. Augsburg 1990, Band 1, S. 162 f.
  5. William Young, German diplomatic relations 1871-1945, I-universe Inc., NY 2006, S. 287.
  6. Franz Halder: Kriegstagebuch. Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939–1942. Stuttgart 1962, Band 2, S. 455.
  7. Klaus Gerbet (Hrsg.): Generalfeldmarschall Fedor von Bock. Zwischen Pflicht und Verweigerung – Das Kriegstagebuch. München 1995, S. 193.
  8. Heinz Guderian: Erinnerungen eines Soldaten. Stuttgart 1994, S. 136.
  9. Albert Kesselring: Soldat bis zum letzten Tag. Bonn 1953, S. 113.
  10. Nicolaus von Below: Als Hitlers Adjutant 1937–1945. Selent 1999, S. 277.
  11. Adolf Heusinger: Befehl im Widerstreit. Tübingen und Stuttgart 1950, S. 120 ff.
  12. Jürgen Förster: Das Unternehmen ‚Barbarossa’ als Eroberungs- und Vernichtungskrieg. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 4. Stuttgart 1983, S. 444.
  13. Ian Kershaw: Hitler. 1936–1945. München 2002, S. 508.
  14. Zit. n. Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. R. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-57982-6, S. 221.
  15. Zit. n. David Irving: Göring. Hamburg 1987, S. 490.
  16. Zit. n. David Irving: Göring. Hamburg 1987, S. 490.
  17. Zit. n. Gerald Reitlinger: Ein Haus auf Sand gebaut. Hitlers Gewaltpolitik in Rußland 1941–1944, Hamburg 1962, S. 74. (Keitels Aussage Online)
  18. Jürgen Förster: Resümee. In: Bianka Pietrow-Ennker (Hg.) Präventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M. 2000, ISBN 3-596-14497-3, S. 208–214, hier S. 209.
  19. Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. R. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-57982-6, S. 221.
  20. Jürgen Kilian: Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im Russischen Nordwesten 1941–1944. Band 75 der Reihe: Krieg in der Geschichte. herausgegeben von Stig Förster, Bernhard R. Kroener, Bernd Wegner, Michael Werner. Paderborn 2012, S. 77.

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