FANDOM


Beim Luftangriff bei Kunduz am 4. September 2009 gegen 02:00 Uhr Ortszeit wurden etwa fünfzehn Kilometer südlich der Stadt Kunduz im Norden Afghanistans zwei von Taliban entführte Tanklastwagen und die sich in nächster Nähe befindlichen Menschen bombardiert. Ein Offizier der bei Kunduz stationierten Bundeswehreinheit forderte den Bombenabwurf mit teilweise falschen Angaben an; er wurde von zwei US-amerikanischen Flugzeugen ausgeführt.

Durch den Angriff wurden nach NATO-Einschätzung bis zu 142 Menschen, darunter auch Kinder, getötet oder verletzt, was die bisher mit Abstand größte Zahl von Opfern bei einen Einsatz sowohl in der Geschichte der Bundeswehr, als auch durch Kräfte der ISAF bedeutet. Der Angriff und die folgenden Reaktionen der Bundeswehrführung wurden sowohl aus dem Inland wie aus dem Ausland stark kritisiert. Als deutlich wurde, dass der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung Parlament und Öffentlichkeit verspätet, unvollständig oder falsch über die Tötung von Zivilisten informiert hatte, trat er am 27. November 2009 als Bundesarbeitsminister zurück. Sein Nachfolger als Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Vortag den Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan und den Staatssekretär Peter Wichert mit der Begründung, sie hätten ihm Informationen zu dem Angriff vorenthalten, ihrer Ämter enthoben. Nach einer Ende Dezember 2009 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter der afghanischen Bevölkerung ist das Ansehen der Deutschen in Afghanistan zurückgegangen. Politische Kommentatoren führen dies auch auf den Angriff zurück. Seit dem 21. Januar 2010 versucht der Verteidigungsausschuss, die Vorgänge als parlamentarischer Untersuchungsausschuss aufzuklären. Im April 2010 gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie das Ermittlungsverfahren wegen des Luftangriffs eingestellt habe, weil weder die Vorschriften des Völkerstrafgesetzbuches noch die Bestimmungen des Strafgesetzbuches verletzt worden seien.[1] Die Klage eines der beiden Lastwagenfahrer, der die Feststellung der Rechtswidrigkeit des Befehls von Oberst Klein begehrt hatte, wurde vom Verwaltungsgericht Köln[2] abgewiesen.

Einzelnachweise

  1. Generalbundesanwalt stellt Ermittlungsverfahren gegen Klein und Wilhelm wegen fehlenden Anhalts für strafbare Handlung ein
  2. VG Köln, Urteil vom 9. Februar 2012, Az. 26 K 5534/10, Volltext.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki