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Martin Hugo Schaffner (* 23. Februar 1923 in Gränichen; † 5. Oktober 1965). Auch bekannt unter dem Namen „Bomber-Schaffner“ war ein schweizer Hobbyarchäologe.

Jugend

Er war das vierte und jüngste Kind des Rudolf Schaffner und der Frieda Schaffner geb. Zurlinden. In Gränichen verlebte er mit seinen zwei Brüdern und seiner Schwester, wohl in einfachsten Verhältnissen, aber umsorgt von gläubigen und guten Eltern, eine glückliche Jugend. Infolge jahrelanger Krankheit seines Vaters war er schon früh gezwungen, zum gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen.

Anfang 1938 trat er als Hilfsarbeiter in die Maschinenfabrik Gränichen ein. Dort war er in der Motorrad-Reparaturen-Abteilung beschäftigt.

Wirken vor der Bombersuche

Bereits in den ersten Jahren des Krieges erkannte er die volkswirtschaftliche Notwendigkeit zum Sammeln und Verwerten von Altstoffen.

Dies war auch der Grund weshalb er sich im Jahre 1941 selbständig machte. Er war damals zwar erst 18 Jahre alt, aber auf Wunsch seiner Mutter wurde er von der Behörde als volljährig erklärt. Seine Mutter wollte nicht mehr länger die Verantwortung für ihn übernehmen. Denn das Chaos auf dem Lagerplatz, den sich Martin zulegte, veranlasste die Nachbarn sich bei der Gemeindebehörde zu beschweren. Hinzu kam, dass er die besten, noch brauchbaren Stücke (zum Beispiel Pneus) im Schwarzhandel verkaufte.

Ohne finanzielle Mittel, aber mit viel Energie und Ausdauer begann er nun Altmaterial, vor allem Alteisen, zu sammeln.Dazu benutzte er ein "Leiterwägeli", dem er einen Hund vorgespannt hatte. Bald darauf befestigte er seinen Anhänger hinter ein Velo. Das "Trampen" war ihm aber zu langsam und zu mühsam, daher besorgte er sich eine Motosacoche mit Seitenwagen. Doch in der Kriegszeit war das Benzin streng rationalisiert. Da aber Altstoffsammeln nationale Pflicht war, bekam er etwas Benzin. Die Menge war allerdings gering, darum konstruierte er einen Holzvergaser. Nach einigen Versuchen, bei denen er beinahe ums Leben kam, funktionierte der Vergaser und sein Motorrad fuhr mit Holzkohle. Das Motorrad konnte er später gut verkaufen. Als Ersatz kaufte er dann eine Harley Davidson, ebenfalls mit Seitenwagen. Auch die Harley Davidson hatte er auf Holzgas umgebaut.

Eine Kurzgeschichte

Auf einer Schwarzfahrt während der Nacht wurde er von der Polizei angehalten. Im Seitenwagen hatte er Schwarzware. Die Polizei fragte ihn, was in diesen Sacochen rechts und links vom Motorrad sei. Die Polizisten wollten sie öffnen, doch sie waren heiss, denn sie waren ein Teil des Holzvergasers. Martin führte schnell die Funktionsweise des Vergasers vor. Die Polizisten waren so interessiert und begeistert, dass sie dabei vergassen die Waren im Seitenwagen zu kontrollieren.

Weil Martin keinen Militärdienst leistete, betrieb er diesen Handel während des ganzen Krieges.1942 verstarb sein Vater, was für die ganze Familie ein harter Schicksalsschlag war. Trotzdem erweiterte er seine Tätigkeit auf dem Handel.Nach dem Kriegsende erweiterte er seinen Handel auf Fahrzeuge die er reparierte und weiter verkaufte. Die Fahrzeuge hatte er teilweise schon während dem Krieg gesammelt. Die kommende Motorisierung erkennend, schaute er sich nach einer günstig gelegenen Basis für seinen Handel mit Fahrzeugen und Treibstoffen um. Diese fand er schliesslich 1948 in Suhr. Hier liess er eine, für damalige Verhältnisse, modernst eingerichtete Auto-Service-Station bauen, welche sich unter seiner Leitung gut entwickelte.

Der tägliche Weg von Gränichen nach Suhr zum Geschäft wurde ihm mit der Zeit zu umständlich. Und als sich ihm die Gelegenheit bot, gegenüber der Tankstelle ein landwirtschaftliches Heimwesen zu erwerben, kaufte er dies und zog mit seiner Mutter nach Suhr. Dort wohnte er bis zu seinem Tode. Vom Gedanken beseelt, seinen treuen Kunden einen Dienst zu erweisen, senkte er als Erster den Benzinpreis. Damit entfachte er ungewollt den Benzin-Preiskampf. Um den Benzinumsatz zu steigern und um sich zu behaupten, suchte und fand er laufend neue Möglichkeiten. So sah er eines Tages auf dem Titelblatt einer Zeitschrift ein Photo einer Tankstelle, auf deren Dach ein kleines Sportflugzeug als Blickfang diente. Sofort kam ihm die Idee, eine Tankstelle unter einem ausgedienten Bomber zu bauen.

Bombersuche

So begann er nach einem Bomber zu suchen. Zuerst versuchte er sein Glück in Dübendorf. Als er dort nichts mehr finden konnte, erkundigte er sich auf dem Konsulat. Auch dort konnten sie ihn nicht weiterhelfen. Dann fiel im ein, dass in Frankfurt die amerikanische Armee stationiert war. So besorgte er sich ein Visum für Deutschland und fuhr 1950 mit seinem älteren Bruder Peter nach Frankfurt. Der Frankfurter Flughafen, wo die amerikanische Armee Material lagerte, war direkt neben der Autobahn. Am Zaun standen viele Deutsche und schauten dem Treiben auf dem Flugplatz zu. Die Beiden hielten ebenfalls an und sahen, dass eine improvisierte Holzbrücke, die stark bewacht war, über die Autobahn direkt in den Flughafen führte. So beschlossen sie, auf diesem Wege in den Flughafen zu gelangen.

Als sie darauf mit ihrem grünen Studebaker-Cabriolet an der Schranke ankamen, ging diese sofort hoch und die beiden Wachen salutierten. Danach fuhren sie quer durch den Flughafen und fotografierten. Es ging aber nicht lange, da waren sie von der Militärpolizei mit Motorrädern und Jeeps eingekreist. Die beiden "Eindringlinge" wurden verhaftet und auf die Wache gebracht. Dort wurden sie einvernommen, was sehr umständlich war, denn die Beiden konnten kein Englisch. Man befragte sie mehrmals, so sie hineingekommen waren. Als sie zur Antwort gaben, dass sie über die Brücke gekommen waren, glaubte man ihnen nicht und der ganze Zaun wurde nach Löchern und defekten Stellen abgesucht. Nach einigen Stunden Verhör wurde der Chef des Flughafens, ein amerikanischer Oberst, gerufen. Dieser brachte seine Sekretärin mit, welche eine Deutsche war. Damit waren auch die letzten Verständigungsschwierigkeiten gelöst. Der Oberst fragte als erstes, wie sie in den Flughafen gelangt waren. Als sie sagten, sie seien mit dem Auto über die Brücke gekommen, liess er das Auto und die Wachen, die zu dieser Zeit Dienst hatten, holen.

Martin und Peter mussten sich ins Auto setzen. Da aber der Oberst ebenfalls so dick wir Martin war, sahen die beiden genauso aus, wie der Oberst mit seinem Chauffeur. Martin hatte ein Militärhemd an und beide hatten eine weisse Kappe auf. Das Auto der Beiden war ebenfalls identisch mit jenem des Oberst. Nun war die Sache gelöst und die Amerikaner luden sie zum Essen ein. Trotzdem konnten sie dort keinen Bomber kaufen, denn es war verboten, Kriegsmaterial zu verkaufen. Doch es blieb eine Freundschaft. Die Amerikaner rieten ihnen ein abgestürztes Flugzeug zu bergen.

Hebung des B-17-Bombers aus dem Zugersee

Wieder in der Schweiz erkundigten sie sich wo Flugzeuge abgestürzt waren. Bald darauf erfuhr man, dass ein Bomber in den Zugersee gestürzt war.[1]

Nun holte man Genehmigungen ein. Doch die Schweizer Behörden sagten, sie können keine Genehmigung geben, denn der B-17-Bomber sei amerikanischer Besitz. Aus der Freundschaft auf Frankfurt ergab sich, dass die Amerikaner das Flugzeug freigaben. Dann musste auch Bern nachgeben und die nötigen Bewilligungen erteilen. Jetzt war das Formelle gelöst und man konnte an die Hebung denken. Man musste zuerst feststellen, wo das Flugzeug abgestürzt war. Es konnte mit Aussagen von Fischern und mit Suchankern gefunden werden. Grosse Hilfe war das Photo, das zeigt, wo der Bomber versank.

Dann brauchte man einen Standplatz, der von der Familie Dosenbach, die direkt am See wohnte, zur Verfügung gestellt wurde. Danach konstruierte man eine Hebebühne, die das Gewicht des Bombers heben konnte. Diese Hebebühne, die von Martin und einem Zimmermann gebaut wurde, wurde auf zwei 33'000 Liter Benzintanks gesetzt und zu einem Floss zusammen geschraubt. Martin fragte die Armee, wie man den Bomber am besten anbinden könne - wo die stärkste Stelle des Flugzeuges ist. Denn die Armee hob während des Krieges auch einen Bomber, den sie total zerrissen. Sie rieten Martin zu diesem Unternehmen ab und sagten, sie seien mit besseren technischen Mitteln gescheitert. Es sei unmöglich diesen Bomber zu heben. Doch Martin sagte, Nichts sei unmöglich. Dann wollte Martin bei der Firma Stäubli einen Taucher mieten, doch sie wollten keinen Taucher schicken mit der Begründung, es sei lebensgefährlich auf 45 Meter Tiefe zu tauchen. Doch Martin konnte Gottlieb Scherrer, einen Taucher der Firma Stäubli, begeistern und er machte mit unter der Bedingung, dass eine Leiter bis zum Grund ging. Als die 45 Meter hohe Leiter stand, ging Gottlieb Scherrer das erste Mal nach unten. Die Luft wurde von Hand nach unten gepumpt. Die Pumpe wurde normalerweise von zwei Personen betrieben, doch für diese Tiefe benötigte man acht Mann, welche jede Viertelstunde ausgewechselt wurden. So kam es, dass bis zu 30 Personen auf dem Floss waren. Der Taucher brachte dann die Nachricht wie der Bomber liegt. Er stecke mit der "Schnauze" im Boden. Nun band man gemäss den Angaben de Schweizer Armee den Bomber mit Stahlseilen fest und versuchte ihn zu heben. Doch diese Angaben waren falsch und die Stahlseite rissen den Bug des Flugzeuges ab. So musste man den Bomber nach eigenem Empfinden anbinden. Martin hatte eine gute Nase und das Flugzeug konnte 1952 nach fast zwei Jahren langer Arbeit gehoben werden.

Hebung des B-17-Bombers aus dem Greifensee

Nun machte man sich an die Hebung des B-17 Bombers aus dem Greifensee. Zuerst brauchte man wiederum die Bewilligung.

Da es „Bomber-Schaffner“ zu mühsam wurde in jedem Kanton und in jeder Gemeinde eine Bewilligung einzuholen, veranlasste er, dass er bei einem Treffen auf dem Schloss Koblenz teilnehmen konnte. Anwesend waren die Besatzungsgeneräle der drei Besatzungsmächte USA, England und Frankreich. Hier bekam er sämtliche Bewilligungen zur Hebung der Kriegsmaterialien innerhalb des Gebietes der Besatzungsmächte. Nun stand „Bomber-Schaffner“ nichts mehr im Wege.

Jetzt war man bestens ausgerüstet mit dem Berufstaucher Siegfried Naumann und der modernen Taucherausrüstung von Waldemar Kandel. Die Werkzeuge und die gesamte Einrichtung waren bereits nach Maur am Greifensee gezügelt worden. Dort wurde ein geeigneter Platz neben der Schifflände von der Familie Trachsler zur Verfügung gestellt. Im Bauernhof der Familie Trachsler wurden Werkräume eingerichtet. Nachdem alles zusammen gebaut war und die neue Taucherausrüstung vorgeführt worden war, konnte man den Bomber suchen. Da man nun einige Erfahrung hatte, konnte dieser Bomber mit Hilfe eines Fischers im Juni 1953 einiges schneller gefunden werden als der im Zugersee. Dazu kam, dass dieser Bomber weniger tief lag, als der im Zugersee.

Im August 1953 konnte dann der Bomber mit nach langen Bergungsarbeiten gehoben werden. Der Bomber wurde bis Ende September 1953 in Maur ausgestellt. Danach wurde er bis Anfangs Dezember in Zürich auf der Milchbuckwiese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von Zürich wurde er nach Suhr gebracht und dort verschrottet. „Bomber-Schaffner“ wurde bis weit ins Ausland bekannt. Er erhielt immer mehr Aufträge; unter anderem auch Geheimaufträge zur Reinigung der Gewässer von Kriegsmaterialien in Deutschland und Österreich. Doch er konnte nicht alle Aufträge annehmen.

Hebung der Lancaster aus dem Bodensee

Nach einigen kleineren Aufträgen zügelte das ganze Team Ende 1953 nach Steckborn.

Dort suchten sie nach einem englischen Flugzeug Typ „Lancaster“.[2] Nach vier Wochen Suche konnte am 28. Februar das Flugzeug gefunden werden. Nun band man den Stahlponton, dem man von der Stadt Konstanz (Deutschland) zur Verfügung gestellt bekam über dem Flugzeug an. Es lag tief im Wasser, den seine Ladung bestand aus dem gesamten Material, das „Bomber-Schaffner“ besass. Fast sein ganzes mühsam verdientes Vermögen hatte er in Suchgeräten, Taucheranzügen (Gewicht 140 kg), Kompressor, Schneidbrenner etc. investiert. Martin kehrte nach Suhr zurück und liess drei Männer am See um aufzupassen. Die drei Männer dachten, das Schiff ist so gut verankert, da kann nichts passieren und gingen nach Konstanz um sich dort zu vergnügen. Doch es war eine kalte Nachte und jede Welle brachte mehr Wasser ins Boot, das zu Eis erstarrte, bis das Schiff gegen Sonntagmittag, als die Männer den Rausch ausschliefen, versank.

Als Martin die Nachricht hörte, dachte er, dass nun alles aus sei und sank mit scheeweissem Gesicht auf seinen Stuhl. Durch die Strömung und den Ostwind trieb es die Gegenstände in Richtung Rhein. Stundenlang stampfe „Bomber-Schaffner“ mit seinen Leuten dem Ufer entlang. Hin und wieder fanden sie einen Ausrüstungsgegenstand, der angeschwemmt worden war. Am Tag darauf fror der See zu und unter der Eisdecke lag Martins Vermögen. Zum Glück gab es noch ein Linienschiff, das von Gaienhofen nach Steckborn jeden Morgen Arbeiter zur Bernina-Nähmaschinenfabrik brachte und am Abend wieder holte. „Bomber-Schaffner“ schloss mit dem Betreiber dieses Linienschiffs einen Vertrag, dass er dafür sorgte, dass das Eis bei der Unglücksstelle offen gehalten wird. So konnte mit gemieteter Tauchausrüstung die eigene Ausrüstung gehoben werden.

Einige Wochen später, Ende Juni, als es wieder wärmer wurde, konnte dann das Flugzeug „Lancaster“ gehoben werden. Dieses wurde dann bis Ende 1954 in Steckborn ausgestellt. 1955 wurde es ebenfalls verschrottet. Das Geschäft blühte und Martin baute weitere Tankstellen. Er verkaufte das Benzin immer billiger bis eines Tages einige uniformierte Polizisten die Preisschilder mit Kleister und Packpapier unleserlich machten. Die Presse berichtete ausführlich darüber und der Umsatz verdoppelte sich.

Wanderausstellung

Dieser Bomber wurde ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am ersten Sonntag kamen trotz starkem Regen 10.000 Leute. Man legte Bretter und Laufstege. Die Ausstellung verwandelte sich in einen Morast. Die Schuhe der Damen blieben im Dreck stecken. Da kam Martin die Idee, man könnte den Leuten die Schuhe putzen. Sofort schickte er vier Mann zum Ausgang. Dort reinigten sie für 30 Rappen die Schuhe. Mit diesen ersten Eintrittsgeldern konnte ein Teil der Schulden bezahlt werden. Dann wurde der Bomber nach Basel in eine Mustermesse-Halle gebracht. Doch der Transport ergab viele Schwierigkeiten. Der Bomber musste demontiert werden. Doch die Flügel waren immer noch zu breit und mussten der Länge nach zerschnitten werden. Für den Transport kaufte Martin einen Kranwagen. Nach der Ausstellung in Basel wurde der Bomber in Bözingen bei Biel auf dem Flughafen ausgestellt. Doch weil es dort keine Einrichtungen wie in Basel hatte, musste eine Arena gebaut werden. Danach wurde die Ausstellung nach Lausanne verschoben. Die Zuschauer zeigten immer stärkeres Interesse, wie im Wasser gearbeitet wurde. Das liess Martin ein Bassin (3 x 5 Meter und 6 Meter tief) aus Glas herstellen. In diesem Bassin gab es jede Stunde eine zehnminütige Vorführung von Taucher Naumann, der unter Wasser schweisste und mit dem Schweissbrenner Bleche zertrennte.

Nach der Ausstellung in Lausanne zog man nach Bern und danach zu seinem Wohnort nach Suhr. Während der zirka einjährigen Tour, während dessen der Bomber mit dem Spitznamen „Lonsome Polecat“ ausgestellt war, ging man anderen Aufträgen nach. Sie bargen verunfallte Personenwagen und dergleichen. Noch während dem Jahr plante Martin die Hebung ebenfalls eines B-17 Bombers aus dem Greifensee. Dort war der Bomber brennend abgestürzt. Durch die Berichterstattung wurde Martin, der nun als "Bomber-Schaffner" bekannt war, auch im Ausland berühmt. Darauf meldete sich ein Herr Waldemar Kandel aus Graz (Steiermark/Österreich) und empfahl sich für die Bergungen. Er habe auf diesem Gebiet Erfahrung und eine Beziehung zu einem sehr guten Taucher. "Bomber-Schaffner" war sofort interessiert und plante umgehend eine Reise. Martin und Peter fuhren nach Graz um das Unternehmen von Kandel zu besichtigen. Sie waren sehr überrascht, als sie feststellten, dass er der Wirt des Café Kertnerhofes war. Als man die Taucherausrüstung besichtigen wollte, kam an den Tag, dass dieselbe vom Konkursverwalter unter Verschluss gehalten wurde. Sofort nahmen sie Verbindung mit dem Konkursamt auf und man konnte eine Besichtigung vereinbaren.

Sie stellten dann fest, dass die Tauchgeräte auf dem modernsten Stand waren. Aber selbstverständlich waren sie nicht bezahlt. Sie konnten dann die Geräte aus der Konkursmasse übernehmen und in die Schweiz überführen, wobei sie mit Herrn Kandel vereinbarten, dass die Geräte am Greifensee durch in instruiert werden. Zudem gab er ihnen eine Adresse von einem arbeitslosen Berufstaucher: Siegried Naumann, Schlögelgasse 1, Wien. Da sie bereits in Graz waren, beschlossen sie diesen Taucher zu besuchen. Von Graz nach Wien konnte man nur durch die russische Besatzungszone gelangen. Martin wollte nicht nach Wien. Er übergab diesen Auftrag seinem Bruder Peter. Am selben Abend fuhr Peter mit Herrn Kandel nach Wien, denn Herr Kandel konnte etwas Russisch. Um Mitternacht waren sie in Wien und Siegfried Naumann entschloss sich sofort mitzukommen. Er wurde auf dem Schlachtschiff "Tirpiz" von den Deutschen ausgebildet. Deshalb musste Naumann als blinder Passagier durch die russische Besatzungszone nach Graz und danach in die Schweiz geschmuggelt werden.

Weiteres Wirken

Nun ging Martin Schaffner zum Obersee (Bodensee) und hob das grosse versunkene Taucherschiff „Jumbo“.

Er schweisste die Teile während der dreimonatigen Arbeit zu einem Schiff zusammen und rüstete es mit seiner Ausrüstung aus. In der einen Kammer befand sich eine Werkstatt mit modernsten Geräten. Die zweite Kammer barg das Elektrizitätswerk mit einer starken Dieselmotoranlage. Es folgte der Taucherraum mit drei kompletten Taucherausrüstungen. Dann kam der Mannschaftsraum und die Ankerkammer. Auf Deck stand der Kompressor, welcher den Taucher mit Luft versorgte. Hier war auch die elektrisch betriebene Motorwinde, die ein armdickes Drahtseil über den beweglichen Kranmast zog. Die Hebekraft betrug 30 Tonnen. Das Drahtseil konnte auch direkt durch einen Schacht ins Wasser gelassen werden. Damit wurde das ganze Taucherschiff zum schwimmenden Kran und vermochte 120 Tonnen zu tragen. Mit diesem Schiff war es nun einfacher Bergungsarbeiten durchzuführen. „Bomber-Schaffner“ hob aus dem Bodensee weitere Flugzeuge: fünf deutsche Bomber am deutschen Ufer, eine DC-3 der Swissair aus 216 Meter Tiefe, zwei P-16 vor Rorschach, einen Vampire (plus ein deutsches Kiesschiff und zahlreiche Autos).

„Bomber-Schaffner“ baute weitere Tankstellen. Bis zu seinem Tode hatte er fünf Tankstellen. Diese befanden sich in Suhr, Cham, Bözberg, Ettingen und Näbikon. Um alle Tankstellen mit Benzin zu versorgen, gründete er 1962 ein Transportunternehmen, welches später unter dem Namen „Transag Suisse“ bekannt war. Das 1854 im Bodensee versunkene Dampfschiff „Jura“ beschäftigte „Bomber-Schaffner“ längere Zeit. Er begann mit der Suche und bald konnte das Schiff lokalisiert werden. Der Taucher stieg in die Tiefe. In genau horizontaler Lage liegt das Schiff auf dem Grund. Durch den Kalk, der sich während über 100 Jahren angesetzt hatte, erschien es als schneeweiss. „Es machte den Eindruck eines Geisterschiffes“, berichtete der Taucher. Martin wollte es heben und daraus ein Restaurant machen. Doch der Tod hat unter Schaffners Pläne einen Strich gezogen.

Martin Schaffner starb nach einer schweren Fettoperation. Vor der Operation wog er 240 kg.

Letzte B-17 Flying Fortress in der Schweiz

Nachdem die „Lonesome Polecat“ aus dem Zugersee von der 8th US Air Force als Wanderausstellung ausgedient hatte, kaufte ein Ostschweizer Geschäftsmann die Maschine und plante ein Museum zu erstellen. Die Boeing B-17 wurde im Juni 1966 nach St.Gallen transportiert und aufgestellt. Leider wurde das Projekt nicht umgesetzt und so wurde der Bomber nach St. Moritz verfrachtet. Dort wurde dieser in den Siebzigerjahren demontiert und verschrottet. Der letzte intakte, amerikanische Zeitzeuge in der Schweiz wurde ein Opfer der Schweissbrenner.

Einzelnachweise

  1. Absturz in den Zugersee, B-17 Flying Fortress, 16.03.1944
  2. Absturz in den Bodensee, Lancaster, 28.04.1944

Weblinks

Quelle

Archiv Familie Schaffner, recherchiert und zusammengestellt durch Silvio Schaffner

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