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Nettokreditaufnahme bezeichnet das Differenzvolumen aus der Kreditsumme neuer Kreditaufnahmen minus Kreditsummentilgungen innerhalb einer Periode. Die Bezeichnung Nettokreditaufnahme wird meist im Kontext (Haushaltssaldo) der Verschuldung öffentlicher Haushalte verwendet, seltener im Kontext der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage aller wirtschaftlichen Haushalte innerhalb einer Volkswirtschaft[1] oder auch innerhalb nur eines einzelnen Sektors wie beispielsweise der privaten Betriebe einer Ökonomie.[2]

Die jeweilige Zentralbank ermittelt innerhalb der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung die Einnahmen- wie Ausgabenüberschüsse (sektorale Finanzierungssalden) und die korrelierende Nettokreditaufnahme der Sektoren pro Kalenderjahr: Wenn für die Finanzierung eines Ausgabenüberschusses (Defizit) eines einzelnen Sektors nicht einzig Kreditaufnahmen, sondern auch eigene Rücklagen (nicht verbrauchte Einnahmenüberschüsse aus Vorperioden des jeweiligen Sektors) genützt werden, ist die Nettokreditaufnahme geringer als das jeweilige Defizit des jeweiligen Sektors. Scheinbar paradoxerweise erhöht jedoch die vermehrte Bildung monetärer Rücklagen des einen Sektors den Kreditbedarf der anderen.[3]

Die Nettokreditaufnahme der Sektoren erhält im konjunkturellen Zusammenhang außerdem von der Kredit- wie Saldenmechanik besondere Beachtung.

Negative Nettokreditaufnahme

Obwohl die Erhöhung der Hortung monetärer Mittel, erhöhten gesamtwirtschftlichen Kreditbedarf generiere, sind schwere (weil deflationäre) Wirtschaftskrisen davon geprägt, dass die Nettokreditaufnahme sinkt,[4] auf mehrere Sektoren bezogen sogar[5][6] negativ verlaufen kann.

Einzelnachweise

  1. Dieter Brümmerhoff, Michael Grömling: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. (9. Auflage) München 2011. (online) S. 26.
  2. Klaus Rittenbruch: Makroökonomie. (11. Auflage) München 2000 (online) S. 34.
  3. Heinz-Peter Spahn: Geldpolitik. Finanzmärkte, neue Makroökonomie und zinspolitische Strategien. (2. Auflage) München 2011. (online) S. 73.
  4. Werner Ehrlicher: Die Finanzwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. In: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft. Band 3. 1981. (online) S. 170.
  5. Richard C. Koo: The Age of Balance Sheet Recessions: What Post-2008 U.S., Europe and China Can Learn from Japan 1990-2005. (PDF; 304 KB) Vgl. Schaubilder ab S. 13.
  6. Wilhelm Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion. (Hrsg. Wolfgang Stützel) Tübingen 1952. (PDF) S. 91.

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