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Republik Marokko

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Ansätze, republikanische Staatswesen in Marokko zu errichten, gab es in der Geschichte des maghrebinischen Königreichs mehrfach, eine republikanische Opposition operiert bis heute von Schweden aus.

Republik Bou-Regreg

Nach dem Zusammenbruch der Zentralgewalt (ab 1603) wurde in der Doppelstadt Salé und Rabat (am Fluss Bou-Regreg) von andalusischen Flüchtlingen (Morisken seit 1609) der letzte Saadier-Gouverneur vertrieben und 1627 eine oligarchische Korsaren-Republik, die Piratenrepublik Bou-Regreg, errichtet. Ein republikanischer Diwan ernannte einen Großadmiral für die Kaperflotte und je einen Gouverneur für beide Städte.

1637 wurde die Republik vom Marabut al-Ayachi angegriffen und rief die Dila-Bruderschaft zu Hilfe, unter deren Oberhoheit sie seit 1641 stand und mit der sie gemeinsam 1668 den Alawiden unterlag. Die Republik fiel, doch die Piraterie hielt bis 1818 an.

Rif-Republik

Von dem Rif-Berber-Führer Abd el-Krim 1921 ursprünglich nur gegen die spanische Kolonialherrschaft in Nordmarokko errichtet, geriet die Rif-Republik von Ajdir (bei Al-Hoceima) ab 1924 auch in Konflikt mit der französischen Protektoratsmacht im übrigen Marokko. Die islamische Republik umfasste etwa zwei Drittel des gesamten spanischen Protektorats (außer Ceuta, Melilla, Tétouan und Atlantikküste), zeitweise (einschließlich der Grenzgebiete Französisch-Marokkos) sogar 20.000 km² (gesamt Spanisch-Marokko: 22.000 km²) mit etwa 800.000 Einwohnern (gesamt Spanisch-Marokko: 750.000) sowie einem Parlament, einer Stammesversammlung, Ministerien sowie Komitees für Bodenreform und Volksbildung.

1925 setzten sie zur Offensive auch gegen Fès, Taza und Ouezzane an, um den Sultan zu stürzen und eine Republik im ganzen Land zu errichten. Der Sultan floh zwar nach Rabat, die drei Städte aber fielen nicht. Die Rif-Rebellen wurden 1926 von vereinten französisch-spanischen Truppen vernichtet.

Volksrepublik Marokko

Am 10. Juli 1971 putschten in Skhirat (bei Rabat) 1400 aus Fès herangebrachte Kadetten der Militärakademie des Heeres und nahmen König Hassan II. in seinem Palast gefangen (Skhirat-Putsch). Obwohl der konservative Führer des Revolutionsrates, General Mohammed Madbuh, bereits in den ersten Stunden der Rebellion fiel, besetzten Putschisten unter Oberstleutnant Mohammed Ababu die Rundfunkstation in Rabat und proklamierten über Radio Marokko die Republik. Mit Hilfe loyaler Truppen und der Polizei unter Innenminister General Mohammed Oufkir wurde der Putsch niedergeschlagen.

Doch Oufkir selbst organisierte bereits am 16. August 1972 mit Freien Offizieren einen erneuten Putsch. Die Luftwaffe versuchte, die Privatmaschine Hassans abzuschießen und beschoss nach dessen Landung den Flughafen und den Königspalast in Rabat. Die Republik wurde erneut ausgerufen, doch der Putsch scheiterte abermals, General Oufkir beging daraufhin – laut der offiziellen Version – Selbstmord. Vizeluftwaffenchef Mohammed Amkrane (aus dem Rif) wurde hingerichtet. Oufkirs Stellvertreter Ahmed Rami floh nach Schweden.

Trotz der konservativen Einstellung der Putschgeneräle (Oufkir galt als Mörder Ben Barkas) wurde Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hinter beiden Umsturzversuchen vermutet, zumal er die Republikaner über Radio Libyen propagandistisch unterstützte.

Westsahara-Republik

Oftmals wird auch die von Marokko einverleibte Westsahara bzw. die von Sahrauis in Opposition zum Königreich Marokko in Südmarokko errichtete Demokratische Arabische Republik Sahara als Republik Marokko bezeichnet. Exil-Sahrauis unter den putschenden Kadetten von Fes hatten bereits 1971 eine Marokko und die Westsahara umfassende Republik angestrebt.

Ramis Freie Offiziere und Südmarokkos Militärgouverneur Ahmad Dlimi (auch er an der Ermordung Ben Barkas beteiligt), die für einen Friedensschluss mit der Frente Polisario eintraten, scheiterten 1983 mit einer weiteren Verschwörung zur Errichtung einer Arabischen Islamisch-Demokratischen Republik Marokko. General Dlimi wurde vermutlich hingerichtet.

Literatur

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. München 1994.
  • Lothar Rathmann (Hrsg.): Geschichte der Araber, Bände 4 und 7. Berlin 1983.
  • Burchard Brentjes: Die Mauren. Leipzig 1989.

Weblinks

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