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Unter Schwinge eines Fahrzeugs wird vorwiegend ein um die Querachse schwingender Arm, der das Rad trägt, verstanden. Diese Bezeichnung wird meistens bei Motorrädern, aber auch bei zweispurigen Fahrzeugen verwendet. Schwingen an Zweiachsfahrzeugen, die um die Längsachse drehen (Pendelachse) werden nicht als Schwinge bezeichnet. Die Drehachsen der Schwinge und des Rades befinden sich ungefähr auf gleicher Höhe. Bei Motorrädern ist das Hinterrad fast ausschließlich mit Hilfe einer zweiarmigen Schwinge („Gabelschwinge“) am Rahmen geführt.

Arten von Schwingen

Unterschieden wird zwischen gezogenen und geschobenen Schwingen. In Fahrtrichtung gesehen ist bei gezogenen Schwingen die Drehachse vor der Radachse, bei geschobenen dahinter. Kurzarmschwingen sind kürzer als der Radius des Rades, Langarmschwingen länger.

Motorrad

Vorderradaufhängung

Die Schwingengabel am Vorderrad ist unterhalb des Lenkkopfes nach hinten (geschobene Schwinge) oder, selten, nach vorn (gezogene Schwinge) gebogen. Am unteren Ende ist die Schwinge gelenkig angeschlossen. Von beiden früher angewendeten Konzepten hat nur die geschobene Langarmschwinge bei Motorradgespannen überlebt. An Motorrollern waren lange Zeit einarmige Kurzschwingen verbreitet.

Hinterradaufhängung

Gefederte Hinterradaufhängungen von Zweirädern werden heute fast ausschließlich mit gezogenen Schwingen realisiert. Dabei überwiegen zweiarmige (gegabelte) Schwingen, an denen die Radachse mit beiden Enden befestigt ist.

Pkw

Im Automobilbau, insbesondere bei den Radaufhängungen, wird im Unterschied zum Motorradbau auch die einfache Schwinge, an der der Radträger fest angebracht ist, als Lenker oder Pendel z.B. in den Baugruppen Längslenkerachse (siehe Abbildung) bzw. Pendelachse bezeichnet. Der Begriff Schwinge wird heute im Automobilbau in diesem Zusammenhang nur noch selten gebraucht, vorwiegend für Konstruktionen aus den 1930er bis 1960er Jahren.

Unterschieden wird zwischen gezogenen (üblich) und geschobenen Schwingen. In Fahrtrichtung gesehen ist bei gezogenen Schwingen die Drehachse vor der Radachse, bei geschobenen dahinter. Kurzarmschwingen sind kürzer als der Radius des Rades, Langarmschwingen länger. Geschobene Schwingen gab es an der Hinterachse beim Stoewer Greif V8 und Adler Trumpf Junior. Als Vorderradaufhängung mit Lenkung gab es das geschobene „Dubonnet-Federknie“ an Modellen von Opel und etwas später auch bei Fiat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Schwingen in frontgetriebenen Klein- und Mittelklassewagen verwendet (siehe nebenstehendes Bild: Renault 4), meistens nur hinten und nur in Frankreich und Großbritannien. Der Citroën 2CV hatte Schwingen rundum (vorn geschoben). Geschobene Schwingen vorn gab es am Kleinschnittger_F_125 und bei BMW. Ein Mittelklassewagen mit hinteren Schwingen war der Citroën DS. Bei parallelen Schwingen liegt das Momentanzentrum auf Fahrbahnhöhe,[1] wodurch sich starkes Wanken (Seitenneigung) in Kurven und Probleme mit der Fahrstabilität ergeben können. Wegen der großen Momente in den Lagerpunkten wird oft ein Fahrschemel verwendet.

Radaufhängungen mit Schwingen sind heute selten. Sie wurde zur Schräglenkerachse weiterentwickelt, bei der die Schwingen nicht parallel zur Querachse stehen, sondern leicht angestellt sind. Werden Schwingen durch einen biegesteifen Stabilisator verbunden, kann die Lagerung vereinfacht und komfortabel weich in Gummi ausgeführt werden, diese Bauart heißt dann Koppel- oder Verbundlenkerachse.

Schwingen werden im Automobilbau auch als Längslenker, die Aufhängung an parallen Schwingen als Längslenkerachse bezeichnet.

Siehe auch

Literatur

  •  Rüdiger Bellersheim, Hans-Georg Delius, Michael Gressmann, Frank Löwe, Peter Ryf: Fachkunde Motorradtechnik. 2 Auflage. Europa-Lehrmittel, 2013, ISBN 978-3808522325, S. 415.
  •  Jörnsen Reimpell: Fahrwerktechnik: Radaufhängungen. Vogel Business Media, Würzburg 1988, ISBN 978-3834332271, S. 376.
  •  Alfred Böge , Rainer Ahrberg, Klaus-Dieter Arndt, Werner Bahmann, Lutz Barfels, Jürgen Bauer, Ulrich Borutzki, Gert Böge, Wolfgang Böge, Berthold Heinrich, Arnfried Kemnitz, Peter Kurzweil, Susanna Labisch, Petra Linke, Manfred Ristau, Werner Roddeck, Johannes Sebulke, Dominik Surek, Werner Thrun, Jürgen Voss, Frank Weidermann, Wolfgang Weißbach, Heinz Wittig: Handbuch Maschinenbau: Grundlagen und Anwendungen der Maschinenbau-Technik. 21 Auflage. Springer Vieweg, 2012, ISBN 978-3834824783, S. 1500.

Einzelnachweise

  1. Manfred Mitschke,Henning Wallentowitz:Dynamik der Kraftfahrzeuge, Springer 2004 Tabelle 144.1, S.731 ISBN 978-3-662-06802-1

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