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Terzo-Gehörtherapie

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Die Terzo-Gehörtherapie ist eine Hörtrainingsmethode, die im Rahmen einer schwerhörigkeitsbedingten Hörentwöhnung als begleitende Maßnahme zur Anpassung einer Hörgerätetechnik eingesetzt werden kann. Der Ansatz basiert auf der Stimulation der zentralen Hörverarbeitung und der gezielten Reaktivierung der körpereigenen, neuronalen Hörfilter. Die Wirksamkeit dieser Therapie ist jedoch nicht nachgewiesen, es existieren keine wissenschaftlichen Studien dazu. Das Anbieten von Hörtherapien unterliegt keiner Qualitätsprüfung und ist an keine Ausbildungsvoraussetzung geknüpft, jeder kann Hörtherapien anbieten.

Physiologie und Pathophysiologie

Eine Hörminderung betrifft das Gehör in seiner Gesamtheit.[1] Leitet das Ohr aufgrund einer Hörschwäche weniger Signale an die Hörzentren im Gehirn weiter, so schwächt dies nach und nach die Leistungsfähigkeit der zentralen Hörverarbeitung[2]. Besonders betroffen ist dabei die Aktivität der Hörfilter. Diese sorgen bei einem gesunden Gehör dafür, dass Nebengeräusche wie der eigene Atem oder das Ticken der Uhr nicht bewusst wahrgenommen werden[3]. Zudem ermöglichen sie das Konzentrieren auf einzelne Sprecher, auch bei Hintergrundgeräuschen. Lässt die Leistung der Hörverarbeitung aufgrund einer Hörminderung nach, sind ebendiese Funktionen immer stärker eingeschränkt. Geräuschvolle Situationen werden dadurch immer häufiger zum Problem.

Die reine Anpassung einer Hörgeräte-Technik gleicht an diesem Punkt lediglich das Funktionsdefizit des Ohres aus, indem schlecht wahrnehmbare Frequenzen durch das Hörgerät verstärkt werden.

Ohne aktive, natürliche Hörfilter sind Betroffene in lauten Situationen aber oft durch die Flut der neuen Höreindrücke überfordert. Basierend auf der nachlassenden Leistung des gesamten Gehörs soll das „Ausblenden“ von Nebengeräuschen durch die Kombination von Hörgeräte-Technik und Gehörtherapie gefördert werden.

Elemente der Terzo-Gehörtherapie

Basis der Hörtrainingsmethode ist eine umfassende Gehöranalyse, in der der aktuelle Status von Ohr und Hörverarbeitung überprüft wird. Basierend auf dem jeweiligen Hörverlust werden dem Kunden Trainingshörgeräte mit spezieller Programmierung zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe eines Trainingshandbuchs sowie spezieller Hörübungen auf CD kann der Kunde über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen sein Gehör gezielt trainieren. Die Übungsseinheiten fokussieren dabei verstärkt das Verstehen von Sprache bei Hintergrundgeräuschen, die Merk- und Konzentrationsfähigkeit und sollen die körpereigenen Hörfilter bewusst stimulieren.

Standorte

Diese Form der angeleiteten Selbsttherapie wird deutschlandweit in über 125 terzo-Zentren angeboten (Stand März 2013) und ist an jedem Standort integraler Bestandteil der Hörgeräteanpassung.

Therapieablauf

Die Terzo-Gehörtherapie darf nur in sogenannten "Terzo-Zentren" durchgeführt werden. Diese sind Hörgeräteakustiker, die sichvertraglich verpflichten, ausschließlich nach dem Vertragsregelwerk von Terzo zu arbeiten. Dafür wird eine Lizenzgebühr an das Terzoinstitut abgeführt. Die Geschäftsführer und Mitarbeiter dieser "Zentren" müssen Verträge unterzeichnen, die bei einer hohen Vertragsstrafe untersagen, genaue Details über die vorgehensweise offen zu legen. Die Möglichkeit zur Teilnahme an dieser Therapieform ist Hörgeräteakustikern nur bedingt möglich, da durch Abschluss eines Vertrages ein Gebietsschutz für das neue "Terzo-Zentrum" garantiert wird. Über die genauen Therapieschritte gerade in Bezug auf die Durchführung und Konditionierung des Trainings und der Hörgeräteeinstellung in Bezugnahme auf die Therapie können keine allgemein valuierbaren Angaben gemacht werden. Die "Terzo-Therapie" ist weder Bestandteil der universitären Ausbildung von HNO-Ärzten bzw. Audiologen, noch im Berufsbild des Hörgeräteakustikers verankert. Es gibt keine Studie, die die Wirksamkeit dieses Hörtrainings belegt. HNO-Ärzte sehen den Einsatz einer "Therapie" in den Händen von Handwerken sehr kritisch.

Kritische Würdigung

Beim Zusammenwirken von Schlagwörtern wie „Therapeutische Hörakustik“ und „Terzo-Gehörtherapie“, mit denen ein Erfolg der Behandlung als sicher unterstellt wird, müssen in einer auf die Gesundheit Bezug nehmenden Werbung besonders strenge Anforderungen an die Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit der Aussagen gestellt werden. Dazu gehört insbesondere, dass der Werbende die wissenschaftliche Absicherung seiner Aussagen auch zur Überzeugung des Gerichts darstellen kann. Das war im vorliegenden Fall dem Hörgeräteakustikunternehmen nicht geglückt. Wissenschaftliche Studien über die Wirkung der hier beworbenen Gehörtherapie existieren unstreitig nicht. Ein im Verlauf der ersten Instanz vom Gericht eingeholtes Sachverständigengutachten vermochte ebenfalls keinen hinreichend gesicherten Nachweis der Wirksamkeit zu erbringen.[4]

Literatur

  •  Sweetow R., Sabes J.: The need for and development of an adaptive listening and communication enhancement (LACE) program. In: Journal of the American Academy of Audiology. Bd. 17, 2006, S. 538-558 (PDF, abgerufen am 2011-11-30).
  •  Irvine D., Fallon J., Kamke M.: Plasticity in the adult central auditory system. In: Acoust Aust.. Bd. 34, Nr. 1, 2006, S. 13–17 ([1], abgerufen am 2011-11-30).
  •  Tremblay K.L., Kraus N.: Beyond the ear:central auditory plasticity. In: Otorinolaringol. Bd. 52, 2002, S. 93–100 (PDF, abgerufen am 2011-11-30).

Weblinks

Einzelnachweise

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