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Turnierpaintball ist ein Mannschaftssport, bei dem beide Mannschaften versuchen auf der Spielfeldseite der jeweils anderen Mannschaft eine Flagge zu reißen oder einen Buzzer zu drücken. Mit Hilfe von Druckluftmarkierern versuchen dabei beide Mannschaften die Laufwege der anderen Mannschaft zu blockieren bzw. die Mitspieler durch einen Farbtreffer aus dem Spiel zu nehmen.

Begriffserklärung Paintball, Gotcha, Turnierpaintball

Unter der Sammelbezeichnung Paintball/Gotcha werden grundsätzlich alle Betätigungen zusammengefasst bei denen mit Farbbällen geschossen wird. Zu erwähnen sind hier:

  • Real Action Marker (R.A.M.): Druckluftmarkierer, die optisch wie echte Feuerwaffen wirken.
  • Szenario Games: Meist mit Paintballmarkierern, seltener mit R.A.M., werden reale/fiktive Konflikte mit Schusswaffen simuliert. Eine Freizeitbeschäftigung, die sich am ehesten als „Nachspielen“ von Videospielen vergleichen lässt.
  • Military Simulations: Unter Verwendung von R.A.M. Markierern oder auch AirSoft Luftdruckgewehren werden mit Uniformen, Fahrzeugen bis hin zu echten Panzern zumeist im Ausland militärische Konflikte simuliert oder nachgespielt.
  • Freizeitpaintball: Neben dem Turnierpaintball stellt diese Gruppe die größte Anzahl an Paintballspielern in Deutschland. Gespielt wird auf Turnierpaintballfeldern, Waldfeldern oder mit Deckungen bestückten Wiesenfeldern. Im Vordergrund steht der Spass an der Bewegung und dem sportlichen Wettkampf. Oft spielen Junggesellenabschiede, oder Gruppen aus befreundeten Personen untereinander mit geliehener Ausrüstung. Zunehmend werden auch firmeninterne Events und Betriebsausflüge auf Paintballplätzen ausgerichtet. Hier spielt für den Arbeitgeber oftmals die Personalentwicklung(Teambuilding) eine Rolle. Es gibt jedoch auch einen großen Kreis von Spielern mit eigener Ausrüstung, die sich mit Gleichgesinnten am Spielfeld treffen und in losen Gruppen zusammen spielen. Gelegentlich wird militärische Tarnkleidung getragen um auf dem Spielfeld weniger aufzufallen und die Alltagskleidung zu schonen. Kriegerische Hintergedanken sind hier jedoch selten. Die Beteiligten empfinden die Spiele nicht als simulierte Tötung und Konfliktlösung sondern als Bereicherung der Freizeitgestaltung. Es werden weder fiktive Verletzungen noch Tötungshandlungen simuliert.
  • Turnierpaintball: Es handelt sich um die reglementierteste und sportivste Form des Paintballs. Viele Turnierpaintballsportler haben mit Freizeitpaintball den Weg zu diesem Sport gefunden.

Weitere Informationen zu Paintball als Freizeitbeschäftigung sind im Hauptartikel Paintball zu finden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Formen des Paintballspiels sind zwar fließend, die Überschneidung von mehr als zwei der oben genannten Kategorien ist jedoch sehr selten.

Entstehungsgeschichte

Während Turniere schon kurz nach der Entstehung von Paintball abgehalten wurden[1], gab es erst 1992–93 mit der Gründung der NPPL einen deutlichen Fortschritt dahingehend, dass sich Paintball als Sport etabliert. Mit den ersten Fernsehübertragungen von Paintballturnieren durch ESPN 1993 und den ersten Paintball-Weltmeisterschaften 1996 etablierte sich der Sport und war nun einem breiteren Publikum zugänglich. Während die der Freizeitgestaltung verschriebenen „Fun-Spieler“ weiterhin auf Waldspielfeldern, Schrottplatzfeldern und allen anderen erdenklichen Themenfeldern ihrem Hobby nachgingen, übten die „Turnier-Spieler“ ihren Sport parallel dazu ausschließlich auf SupAir-Feldern aus.

In Deutschland wurden in den Jahren 1990 bis 2000 die Grundsteine für eine Liga auf Bundesebene gelegt. In dieser Zeit bestand die Turnierszene aus kleinen Turnieren der örtlichen Spielfeldbetreiber. 2003 entwickelte sich mit der DPL die heute größte Nationalliga Europas. International wird seit langem hauptsächlich zwischen „Rec-Playern“ („Rec“ wie recreational), also Spielern, die Paintball als Freizeitbeschäftigung ansehen und „Tournament-Playern“, also Turnierspielern unterschieden. In Deutschland werden aus Unwissenheit auch heute noch oftmals falsche bzw. abweichende Bezeichnungen verwendet.

Turnierpaintball in Deutschland

In Deutschland gibt es zwei bundesweit vertretene Ligen. Die Bewertungssysteme der Ligen sind nicht miteinander verbunden, es ist jedoch möglich gleichzeitig in beiden Ligen anzutreten. Die getrennten Ligastrukturen sind historisch erwachsen und unterscheiden sich nur wenig im Spielsystem und der Kostenstruktur. Beide Ligen arbeiten nach eigenen Angaben kostendeckend. Viele Mannschaften und Austragungsorte werden von verschiedenen Ausstattungsherstellern und Ladengeschäften finanziell unterstützt. Neben den zwei bundesweiten Ligen werden auch Freundschaftsspiele ausgetragen und offene Turniertage veranstaltet, eine Gesamtzahlschätzung der Sportler ist daher nur schwer möglich. Neben den aktiven Sportlern wirken ehemalige Ligaspieler oft als Trainer mit und die Teams benötigen während der Turniertage und im Training sogenannte Snake Coaches und PitBox Helfer. Im weitesten Umfeld des Turnierpaintballs wirken somit mehrere zehntausende Beteiligte mit.

Deutsche Paintball Liga

Datei:DPL Meisterschale.jpg

Die DPL wurde 2003 aus den offenen Ligen gegründet. Im Jahr 2011 starteten über 2.000[2] Turnierspieler in der DPL.

Die Spiele der 1. und 2. Bundesliga werden per Livestream im Internet übertragen, Spieltermine und Link zur Übertragung werden auf der Internetseite der DPL bekannt gegeben.[3]

XPSL

Die XPSL wurde 2006 aus der X5 und PSL gegründet. Im Jahr 2011 starteten rund 1.000 [4] Turnierspieler in der XPSL.

Ligastruktur:

  • 1. Bundesliga - X-Ball
  • 2. Bundesliga - X-Ball
  • Regionalligen - X-Ball
  • Landesligen - Capture The Flag (CTF)

In der XPSL darf in allen Ligen mit eigenen Paintballs gespielt werden. Eine Bindung an bestimmte Händler gibt es nicht.

Millennium Series

Die Millennium Series ist die größte europäische Turnierserie. Sie steht stark im wechselseitigen Einfluss mit den europäischen Nationalligen, insbesondere der DPL. In Deutschland findet jährlich eines der großen Millennium-Turniere statt. Die Austragungsorte der letzten Jahre waren das Gelände des Bitburger Flugplatzes in 2010 und das Gelände der Sportschule Bitburg in 2011. Neben den Mannschaften der europäischen Länder treten bei der Millennium Series auch viele internationale Spitzenteams an. Diese tragen somit neben dem Austausch von aktueller Technik auch zur kulturellen Verständigung bei.

Regeln

Das heutige Turnierpaintball hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten weltweit relativ zeitgleich entwickelt. Demzufolge gibt es auch keinen weltweiten Verband der verpflichtende Regeln vorgibt. In Europa werden nahezu alle Turnier nach den Regeln der Millennium Series gespielt. Modifikationen sind jedoch nicht selten. Die Modifikationen betreffen zum Großteil die Größe des Spielfelds, die Anzahl der anwesenden Schiedsrichter oder die technische Umsetzung (vgl. X-Ball/ Capture The Flag). International sind die vorgeschriebenen Feldgrößen ähnlich, gültige Farbmarkierungen sind am ganzen Körper und der Ausrüstung möglich und die Verwendung vollautomatischer Markierer unzulässig.

Neben den klassischen Turnieren mit elektropneumatischen, halbautomatischen Markieren gewinnen vermehrt auch Turniere an Beliebtheit, die stattdessen einsteigerfreundlich auf Leihausrüstungen des Feldbetreibers beschränkt sind. Eine weitere Besonderheit stellen die Turniere nach den Regeln der oldschoolchallenge (kurz: OSC) [5] da, die ebenfalls nach den Millennium-Series-Regeln ausgetragen werden, jedoch nur Markierer zulassen, die manuell repetiert werden müssen (s. Pumpen oder Pumpaction).

Capture The Flag (CTF)

Die einfachste Form der Turnierwertung erfolgt nach dem „Capture The Flag“ Prinzip. Um zu punkten muss ein Mannschaftsmitglied die Sportfahne im gegenerischen Spielfeld erreichen und zum eigenen Startpunkt zurückbringen. International gibt es hier aber auch Abweichungen nach denen die Fahne in der Mitte des Spielfeldes angebracht ist und zur gegenüberliegenden Feldseite getragen werden muss. Nachdem eine Mannschaft erfolgreich gepunktet hat, geht das Ergebnis in die Gesamtwertung ein und es beginnt ein neues Spiel zwischen zwei neuen Mannschaften. Die Spieldauer beträgt nur wenige Minuten. Ein kurzer Leistungseinbruch hat hierbei direkte Auswirkung auf die Gesamtwertung innerhalb der Liga.

X-Ball

Im X-Ball Format treten die gleichen Mannschaften mehrmals hintereinander gegeneinander an. Die gewonnenen Einzelspiele werden addiert bis eine Mannschaft zuerst eine bestimmte Anzahl an Einzelsiegen errungen hat. In der Regel sind dies je nach Liga 2 bis 7 Einzelspiele. Den Spielern ergibt sich damit die Gelegenheit Fehlleistungen zu kaschieren und sich auf die andere Mannschaft einzuspielen. Für den Zuschauer ist diese Wertungsform deutlich interessanter.

Spielfelder

Datei:Inflatable paintball bunkers.jpg

Turnierpaintball wird ausschließlich auf künstlichen Feldern gespielt. In Deutschland sind hier neben Rasenplätzen auch viele Kunstrasenplätze anzutreffen. Auf den Feldern stehen spiegelgleich luftgefüllte geometrische Figuren. Der Firmenname Supair hat sich hier zum Gattungsnamen für die aufblasbaren Figuren verselbständigt.

Die Positionen der SupAir Elemente sind von Turnier zu Turnier unterschiedlich und damit maßgeblich für den wechselnden Reiz des Sports verantwortlich, die gesamte Aufstellungsart bezeichnet man als Layout. Die großen Ligen orientieren sich hier in der Regel am Layout der Millennium Series.

Die Spielfeldgröße beträgt in Europa in der Regel 38 x 46 Meter. Dies entspricht dem Standard M7 Feld der Millennium Series.

Spielausrüstung

Die Ausrüstung eines Paintballspielers kann viele Teile umfassen. Die Sicherheit aller Spieler und Schiedsrichter auf einem Spielfeld steht dabei an oberster Stelle.

Schutzmaske

Datei:Paintball Schutzmaske seitlich.jpg

Die Bewegungsenergie von Paintball-Kugeln ist grundsätzlich für Menschen ungefährlich, sie kann jedoch ausreichen um gefährliche Augenverletzungen zu verursachen. Daher ist das Tragen einer Schutzmaske auf dem Spielfeld vorgeschrieben. Das verwendete Sicherheitsglas (meistens Polycarbonate) ist so beschaffen, dass es der Bewegungsenergie der Paintkugeln widersteht. Die Masken variieren dabei in Form und Farbe, decken jedoch immer den Bereich Augen, Nase und Mund ab. Fast alle schützen, wenigstens teilweise, auch die Ohren. Das Glas kann ausgewechselt und durch Rauchglas, den Kontrast verstärkendes gelbes Glas oder verspiegeltes Glas ersetzt werden. Moderne Turniermasken sind heute in der Regel doppelt verglast und beschlagen daher nur selten. Die Gläser lassen sich bei solchen Masken auch mit wenig Aufwand wechseln. Verschiedenen Designs und Farben sind hierbei kaum Grenzen gesetzt.

Markierer

Im Turnierpaintball werden in der Regel elektropneumatische Markierer benutzt, die speziell für die Anforderungen der Sportler entwickelt wurden. Diese elektropneumatischen Markierer zeichnen sich durch die elektronische Steuerung der Schussabgabe sowie dem niedrigeren Arbeitsdruck aus. Im Wesentlichen sind zwei technische Varianten erwähnenswert. Die Rammer/Poppet Valve und die Spooler. Vollautomatische Markierer sind weder in Deutschland noch in anderen großen Turnierligen zugelassen.

Rammer / Poppet Valve

Bei diesem Konstruktionsprinzip wird mit einem elektronisch gesteuerten Magnetventil ein druckluftbetriebener Steuerstab (Rammer) zur Bewegung des Bolzens und der Freigabe des Arbeitsdrucks benutzt. Der Rammer drückt hierbei ein Pin Ventil so lange ein, wie dies in der elektronischen Steuerung des Markiers eingestellt wurde. Dieses Konstruktionsprinzip ist in der Regel etwas lauter, gilt jedoch als wenig störanfällig.

Spooler

Bei diesem Konstruktionsprinzip steht der Bolzen im betriebsbereiten Zustand immer unter Druck. Durch einen Gegendruck wird der Bolzen in dieser Position gehalten. Bei Abgabe eines Schusses wird der Gegendruck mit dem elektronisch gesteuerten Magnetventil für eine kurze Zeit abgelassen und der dauerhaft anliegende Arbeitsdruck fährt den Bolzen nach vorne und strömt dann durch den Bolzen um den Ball im Lauf zu beschleunigen. Dieses Konstruktionsprinzip ist in der Regel deutlich leiser als ein Rammer. Die größeren Reibflächen erfordern jedoch bei niedrigen Temperaturen etwas mehr Know How bei der Wartung und der Wahl des richtigen Schmierfetts.

Hochdruck-Pressluftflasche

Datei:Pressluftflasche.jpg

Die Hochdruck-Pressluftflasche (kurz HP-Flasche von engl. High Pressure) speichert die benötigte Druckluft zum Beschleunigen der Paintballs. Die üblichen Druckhöhen sind 200 Bar und 300 Bar mit Volumina von 0,8 bis 1,1 Litern. Auf der Flasche befindet sich ein fest verschraubter Hochdruck-Regulator, der in der Regel einen Ausgangsdruck von unter 60 bar erzeugt. Die Flasche besteht aus einer Kombination von Metallkern und umwickeltem Kunststoffgewebe. Reine Aluminiumflaschen werden wegen des höheren Gewichts im Turniersport nur noch sehr selten benutzt. Der Arbeitsdruck wird innerhalb des Markierers in der Regel nochmals deutlich reduziert. Es gibt aber auch abweichende Modelle, die einen Ausgangsdruck von bis zu 15 bar bereitstellen und/oder mit einem Kunststoffkern versehen sind. Früher verwendete CO2-Flaschen sind vollkommen aus dem Turniersport verschwunden, da die elektronpneumatischen Markierer durch die niedrigen Temperaturen des CO2 beschädigt werden.

Hopper

Datei:Dye Rotor.jpg
Als „Hopper“ (engl. für Zuführbehälter) oder auch Loader wird der Behälter oberhalb des Markierers bezeichnet in dem sich die Farbbälle befinden.

Im Turniersport kommen in der Regel nur so genannte „Forcefeeder“ zum Einsatz. Diese drücken die Farbbälle mit Kraft („force“) in den Markierer um so sehr hohe Schusskadenzen zu erreichen. So werden zumindest theoretisch 50 und mehr Balls per second (Bälle pro Sekunde, Bps) möglich.[6]

Laufsocke

Ein Barrel Sock (deutsch: Laufsocke) wird über den Lauf gestülpt und hat den Zweck einen unbeabsichtigt ausgelösten Schuss abzufangen. Bei korrekt aufgesetzter Laufsocke ist diese in der Lage mehrere Schüsse hintereinander aufzufangen. Von allen deutschen Spielfeldbetreibern wird verlangt außerhalb des eigentlichen Spielfeldes eine Laufsocke zu verwenden. Die Pflicht zur Sicherung des Markierers mit einer Laufsocke besteht außerhalb eines Spielfeldes auch dann, wenn der Markierer ausgeschaltet oder anderweitig nicht schussbereit ist. Bei Turnieren dürfen die Laufsocken auch auf dem Spielfeld erst nach Anweisung durch die Schiedsrichter abgenommen werden.

Weitere Schutzausrüstung

Neben der Schutzmaske wird beim Paintball-Sport in der Regel weitere Schutzausrüstung getragen. So werden oft Knie- und Ellenbogenprotektoren getragen, die besonders bei SupAir-Spielern eingesetzt werden, um bei Hechtsprüngen (genannt „Superman“) oder Einrutschen in eine Deckungen („sliden“) Prellungen zu vermeiden. Handschuhe schützen die Finger gegen Verletzungen durch Steine im Rasen oder Abschürfungen am Kunstrasen.

Weblinks

Commons-logo.svg <Lang> Commons: Paintball – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. NSG National Championship 1983
  2. Liste der DPL Teams 2011, Angabe beruht auf einer Hochrechnung dieser Liste und einem Interview am DPL Stand 4. Dezember 2011 auf der XDays
  3. Homepage der DPL, Infoseite zum Livestream der 1. und 2. Bundesliga
  4. Liste der XPSL Teams 2011, Angabe beruht auf einer Hochrechnung dieser Liste und einem Interview am DPL Stand 4. Dezember 2011 auf der XDays
  5. Homepage der Old School Challenge Germany
  6. Herstellerangaben zum Dye Rotor

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